Freitag, 1. Januar 2010

Was macht Silvester aus? Wie feiert man den Jahreswechsel?
Jeder macht das anders, aber ein paar Parallelen lassen sich doch bei den meisten finden.
Der Countdown, Sekt, Raketen und Berliner dürfen bei einer richtigen Silvesterfeier nicht fehlen.
Ich habe Silvester dieses Jahr etwas anders „gefeiert“.
Um 20.30 Uhr bin ich in die Kirche, weil ich mit meiner Gastfamilie gemeinsam feiern wollte. Mein Gastvater ist allerdings zu Hause geblieben, weil er sich Predigten im Fernsehen ansehen wollte. Meine Gastmutter saß ganz woanders und so saß ich mit Abigail alleine in der letzten Reihe.
Ich wurde von einem Mädchen mit dem Satz begrüßt: „Bist du für den Geist bereit“ (Are you ready for the spirit?).
Es gab eine Art Einstimmung, es wurde gebetet und gesungen.
Der Pastor hat immer ins Mikrofon geschrien. Es wurde uns versprochen, dass es diese Nacht Heilungen auf der ganzen Welt geben wird. Auch gab es immer die Frage: „Was erwartet ihr in dieser Nacht von Gott?!!“ Oder auch die Aufforderung: „Schreit und empfangt (gemeint ist der Heiligen Geist)!“ Worauf natürlich laut geschrien wurde. Auch die Sätze „Wissen ist Macht“ und „Betet, damit der Heilige Geist nicht an euch vorbei geht“ sind öfters ins Mikro geschrien wurden. Die Boxen waren so schlecht eingestellt, dass ich oftmals gar nichts verstehen konnte. Es gilt das Motto, je lauter, desto besser, daher waren auch Boxen vor der Tür aufgestellt, um die Straße gleich mit zu beschallen. Manchmal kam man sich vor wie im Fußballstadium bei Aufforderungen wie „könnt ihr die Hände für den Geist Gottes heben?!“
Gegen 22.00 Uhr Ortszeit wurde die Liveübertragung der Predigt Pastor Chris, des Kirchengründers aus Lagos (Nigeria) auf einer Leinwand geschaut. Als er auf die Bühne trat, brach großer Jubel im Raum aus. So als würde der Papst auf den Balkon am Petersdom treten.
Das ist auch ein mögliches Sparprogramm für Deutschland, keine eigenen Messen mehr, sondern einfach die aus Rom übertragen :).
Zuerst einmal hat er 20 Minuten sein neues Buch angepriesen, ich kam mir vor, wie in einer Verkaufsshow. Die Kernaussage davon war, dass dieses Buch allen „Hoffnung“ gibt. Worauf auch immer?!
Es wurde allen für das alte Jahr gedankt und immer wieder versichert, dass ein tolles neues Jahr vor uns allen liegt. Manche hätten vieles verloren (an erster Stelle wurde mal wieder Geld erwähnt), aber das nächste Jahr wird sehr erfolgreich und wir alle werden Fortschritte machen (worin auch immer?). Wir sollen nur die Botschaft von „Heil“ und „Heilung“ in der Welt verbreiten. Genauso ist es wichtig, dass wir gleich am ersten wieder in der Kirche sind, um von Anfang an alles richtig zu machen. Nach ca. einer Stunde meinte er dann so „Frohes neues Jahr“ und alle haben gejubelt und geschrien. Es war aber erst 23 Uhr bei uns. Das lag daran, dass Lagos eine Stunde vor uns ist. Es wurde ein kleines Feuerwerk eingeblendet. Allerdings wurde es auch schnell wieder still, denn alle haben auf das neue Jahresmotto gewartet. Wir haben jetzt „the year of greater light“. Diese Botschaft war der Höhepunkt des Ganzen. Die nächsten eineinhalb Stunden habe ich mir dann die Predigt zu diesem Thema angehört. Ich wäre fast eingeschlafen. Das Null Uhr irgendwann zwischendurch war, ist total untergegangen. Ich meinte nur zu Abigail neben mir „Frohes neues Jahr“, weil ich immer auf mein Handy geguckt habe, um zu wissen, wie lange noch. Sonst hat das aber kaum jemand mitbekommen oder zu mindestens gewürdigt.
Es waren um die 300 Leute da, einige haben auch geschlafen, aber insgesamt fand ich es doch erstaunlich, wie begeisterungsfähig die Menschen hier sind. Viele haben geweint und beim Singen sind sie voll „abgegangen“.
Am Ende gab es noch ein kleines getanztes Rollenspiel, in dem ein trinkender Jugendlicher durch die Begegnung mit der Bibel verändert wurde und aufgehört hat zu trinken und zu rauchen.
Gegen halb zwei war das Ganze vorbei und alle sind nach Hause. So auch ich. Auf der Straße sind wir noch Polizisten mit Maschienengewehren begegnet, weil es Angst vor neuen Ausschreitungen in dieser Nacht gab, aufgrund der Geschehnisse der letzten Woche (vgl. „aus aktuellem Anlass“).
Es wurde aber auch ein ganz kleines bisschen geknallt. Vereinzelt konnte man kleinere Explosionen von Böllern hören, aber wirklich nur vereinzelt.
Silvester war dieses Jahr echt anders.

Ich wünsche allen ein frohes neues gesegnetes Jahr 2010!!!
Wir haben nun das Jahr, in dem wir uns wiedersehen. :)

2 Kommentare:

  1. 1.Januar 2010
    Hallo Maria,
    Ich wünsche dir ein gesundes, friedliches und schönes neues Jahr 2010.
    Ich hoffe, dass es in Swedru keine Probleme mehr gibt.
    Lass dich von solchen Gedanken an ein Feuer in eurem Haus oder sonstigen Unannehmlichkeiten nicht unterkriegen. Auch bei uns in Norddeutschland gab es am Neujahrsmorgen unter den Menschen Auseinandersetzungen. Behalte deinen Humor und deine lockere Art.
    Einen Gruß von Agathe und Andre

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  2. Hi Maria,
    Agathe hat recht: Zum Jahreswechsel gab es in Hamburg in der Hafenstrasse Ausschreitungen, aber nach meines Wissens gab es keine Tote, wie bei in Unruhen in Swedru.
    Auch Dir alles Gute, Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, Dankbarkeit und und und.
    Wir freuen uns, dass wir uns nun in diesem Jahr wiedersehen.
    Liebe Grüsse von Mama und Papa

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