Mein Lieblingslied hier in Ghana ist das französische Kinderlied „der Hahn ist tot, der Hahn ist tot“. Wer jetzt eine schlechte Meinung über mich hat, soll erstmal 4 Monate zwischen unzähligen Hähnen vor dem Fenster (ohne Scheibe) verbringen. Wenn man Nachts um 2 von einem krähenden Hahn geweckt wird und das immer und immer wieder, kann das auch bei dem friedvollsten Menschen, wie mir, einige Aggressionen zum Vorschein bringen.
Auch am Tag werde ich von den Hähnen nicht verschont. Wenn ich wieder in Deutschland bin und einen Hahn hören sollte, werde ich garantiert eine Therapie machen müssen, vielleicht auch schon vorher. Anders als viele andere Geräusche, ist so ein Hahnenkrähen meist kaum zu überhören und sich daran gewöhnen, konnte ich bis jetzt auch noch nicht.
Aber wie komme ich jetzt auf dieses Thema (nicht, dass ich nicht ständig von draußen erinnert werde!), wie gesagt, oder besser geschrieben, durfte ich am Silvesternachmittag die Bekanntschaft eines Hahns machen. Leider gehörte diese Bekanntschaft zu den letzten die der Hahn in seinem Leben gemacht hat.
Zum Glück hat er nicht gekräht und war ganz still, denn er saß noch einen Tag in unserer Küche auf dem Boden. Abigail kam mit einem Korb nach Hause, in dem der Hahn saß. Er war so schwer, das er selber kaum noch laufen konnte. Ich denke aber, dass sein Leben, nicht ganz so schlimm war, wie das von vielen Masttieren in Europa. Allerdings hat er unglaublich gestunken. Den ganzen Nachmittag saß er da und ich musste nicht nachfragen, um zu wissen, wie sein Schicksal verlaufen würde. Als ich den Hahn das nächste mal sah, war er kaum wieder zu erkennen. Ohne Federn und Kopf in unserer Gefriertruhe.
Am Morgen des 1.1. wollte man mich nicht wecken (ja ich habe etwas länger geschlafen), um mir zu zeigen, wie man einen Hahn schlachtet. Mir wurde aber versprochen, dass ich beim nächsten mal dabei sein werde und den Hahn dann selber töte. Darüber werde ich noch mal verhandeln müssen :).
Ich habe aber beim Auseinandernehmen (zersägen und Organe entfernen) zugeschaut. Da ich nicht weiß, wer dies hier alles ließt und wie alt die entsprechende Person ist, lasse ich die Einzelheiten aus Jugendschutzgründen besser aus.
Jetzt haben wir Geflügelfleisch im Tiefkühler.
Ich dachte, es würde mich mehr bewegen, weil ich ja auch das lebende Tier kannte, aber da es bei unserem Wiedersehen schon keinen Kopf und keine Federn hatte, war es nicht so schlimm. Ich denke aber, dass das Töten mich nicht ganz so kalt gelassen hätte. Es muss aber schnell gegangen sein, denn die Küche liegt direkt neben meinem Zimmer und ich habe ihn zum Glück nicht schreien hören, als ihm im wahrsten Sinne des Wortes der Hals umgedreht wurde.
Ich hoffe nur, dass es jetzt einige Tage nicht mehr immer nur Fisch zu essen gibt. Der Hahn soll nicht umsonst gestorben sein.
Hi Maria,
AntwortenLöschenhier schreibt mal wieder dein Vater. Eines musst Du wissen: Du schreibst mit so einem phantastischen Stil, dass ich seit längerem mir schon überlege, was ich machen muss um dich davon zu überzeugen, dass Du nach Deiner Rückkehr Journalismus studierst. Nach meiner Überzeugung wirst Du später eine tolle Journalistin.
Gruß von PAPA