Daher haben mir Francisca und Evans gestern die Arbeitsplätze von drei ehemaligen Schülerinnen hier in Swedru gezeigt. Ich habe sie interviewt und einige Fotos gemacht.
Auch Cindy Moore ist eine dieser Schneiderinnen. Ihr gehört nun dieses kleine Grundstück mit dem grünen Holzhäuschen, nachdem sie lange den Kredit abbezahlt hat. 4 bis 5 Kunden habe sie im Tag, die ihr einen Auftrag geben und um die 20 dauerhaften Kunden, die ihre Kleidung immer bei ihr schneidern lassen, erzählt sie mir bei meinem Besuch. 15 Cedi berechnet sie für das Schneidern eines ganzen Kleides, wofür sie ungefähr zwei Stunden braucht. Mit dem Geld, das sie verdient, ernährt sie die ganze Familie.
Bis heute hat Cindy einen sehr engen Kontakt zu Francisca und fragt sie oft nach Rat. Sie ist dankbar für die Chance die sie damals bekommen hat und die ihr ihr heutiges Leben und das ihrer Familie ermöglicht hat.
Eine ähnliche Geschichte, ist die Geschichte von Mary Beduwa Mensah.
Am 22. September 2002 verließ auch sie nach drei Jahren Ausbildung Frankeve. Sieben Mädchen seien sie damals gewesen, erinnert sich Mary. 2009 haben um die 35 Schülerinnen ihren Abschluss gemacht. Nun bildet auch sie wiederum andere junge Mädchen aus. Sieben haben ihre Ausbildung bereits beendet. Drei beschäftige sie momentan. Auch hier bezahlen die Mädchen Geld für ihre Ausbildung, genau wie bei Cindy und überall. Marys Ausbildung war nicht mehr umsonst wie Cindys damals. 2,50 Cedi (umgerechnet 1,25 €) musste sie im Term (3 Monate) bezahlen. Aber auch schon dieses Geld war schwer für Mary zu bekommen, denn nur ihre Mutter unterstützte sie in ihrem tun. Vielen Ghanaer sei der Wert einer Ausbildung ihre Kinder, besonders ihrer Töchter, nicht bewusst. Möglichst schnell Geld verdienen, um die Familie mit zu ernähren sei oftmals das erste Anliegen vieler älterer Familienmitglieder. Wäre sie nicht das jüngste Kind gewesen, hätte sie diese Ausbildung wahrscheinlich kaum machen können, denn dann hätte sie Geld für ihr jüngeren Geschwister mit verdienen müssen, erklärt sie mir.
Täglich von 8 bis 17 Uhr ist Mary in ihrem kleinen Geschäft. Wenn sie könnte würde sie länger bleiben, doch da sie keinen Strom in ihrem Laden hat, ist es nach 17 Uhr zu dunkel, um arbeiten zu können. Die Nähmaschiene ist handbetrieben und das Bügeleisen wird mit Kohle erhitzt.
Mary verdient das Haupteinkommen ihrer Familie. Sie ernährt ihren Mann und ihren kleinen zweijährigen Sohn, der den ganzen Tag mit bei der Arbeit ist. Nach und vor der Arbeit kümmert sie sich noch um den ganzen Haushalt und den kleinen Sohn, denn wie Francisca und sie mir lachend mitteilen, würde ein Mann in der ghanaischen Gesellschaft dieses niemals übernehmen.
Gladys Attas Abschluss ist noch nicht so lange her. 2008 verließ sie nach drei Jahren Frankeve. Dort lernte sie nicht Schneidern, sondern Catering. „Sie war eine der besten Schülerinnen und ich hätte sie gern als Lehrerin für Catering in Frankeve behalten“, erinnert sich Francisca. Doch obwohl Gladys ihr Schule sehr gemocht hatte, blieb sie nicht. Das Geld, das man in einem Hotel verdienen kann, ist doch deutlich höher und Gladys hat mit ihren jungen Jahren, nicht nur Verantwortung für sich selber. Auch ihre Familie, bei der sie weiterhin lebt, muss sie nun finanziell unterstützen. Mit einem so guten Einkommen wird dieses von einem erwartet. Sie erinnert sich gerne an die Schulzeit und mochte es von den Freiwilligen unterrichtet zu werden. Da sie fleißig und begabt war, konnte sie in ihrem letzten Jahr schon wieder die jüngeren Klassen unterrichten. Nach der Schule hat Francisca für sie einen Job rund 30 Minuten von Swedru entfernt gefunden. Das macht sie bei den meisten Schülern. Sie kümmert sich auch nach der Schulzeit weiterhin um ihre ehemaligen Schützlinge. Nun arbeitet Gladys in einem der besten Hotels von Swedru in der Küche und als Bedienung. Obwohl einige der Kollegen einen höheren Abschluss haben als sie, seien sie in ihrem Können längst nicht so gut wie sie, gibt Gladys schüchtern, aber auch stolz zu. Oftmals müsse sie sie richtig unterrichten.
Hi Maria,
AntwortenLöschendas Interview und die Aussagen der ehemaligen Schülerinnen sind sehr aufschlußreich und interessant. Man bekommt immer mehr ein Eindruck darüber, wie wichtig Bildung besonders in Afrika und dann noch besonders für Mädchen ist. Daher bin ich froh, dass Dir erstens die Arbeit und Hilfe dort Spaß bringt und zweitens, dass die Mädchen durch die Mithilfe der Freiwilligen eine Chance bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Viele Menschen in Deutschland haben nur wenig Ahnung darüber wie wichtig dieses Engagement ist und was aus Fleiß, Willen und Handwerksfähigkeit (ob als Schneiderin, Friseurin oder im Catering) die Mädchen schaffen können. Ich freue mich mit dir, dass du zu dem Ziel der Mädchen, in dem einem Jahr in dem Du in Ghana bist, vieles beitragen kannst. Liebe Grüsse von deinem PAPS