Donnerstag, 14. Januar 2010

Schule...und dann?!

Ich unterrichte an einer Berufsschule für Mädchen. Wie es in der Schule aussieht habe ich in den letzten viereinhalb Monaten kennen gelernt, doch wollte ich auch wissen, was die Mädchen nach der Schule erwartet und wie ihr Berufsleben so aussieht.
Daher haben mir Francisca und Evans gestern die Arbeitsplätze von drei ehemaligen Schülerinnen hier in Swedru gezeigt. Ich habe sie interviewt und einige Fotos gemacht.

Das kleine grüne Häuschen steht am Straßenrand, genau wie so viele andere. Schneiderinnen gibt es viele, nicht nur in Swedru, sondern in ganz Ghana, genau wie Friseure. Die Berufsauswahl für Mädchen ist nicht besonders groß, besonders, wenn man keine weiterführende Schule besucht hat.
Auch Cindy Moore ist eine dieser Schneiderinnen. Ihr gehört nun dieses kleine Grundstück mit dem grünen Holzhäuschen, nachdem sie lange den Kredit abbezahlt hat. 4 bis 5 Kunden habe sie im Tag, die ihr einen Auftrag geben und um die 20 dauerhaften Kunden, die ihre Kleidung immer bei ihr schneidern lassen, erzählt sie mir bei meinem Besuch. 15 Cedi berechnet sie für das Schneidern eines ganzen Kleides, wofür sie ungefähr zwei Stunden braucht. Mit dem Geld, das sie verdient, ernährt sie die ganze Familie.

Sie lernt zur Zeit 4 weiter Mädchen an, die ihr dafür etwas Geld bezahlen. Zwei haben im Dezember ihre Ausbildung abgeschlossen. Für die Ausbildung berechne sie den Mädchen weniger Geld, als die meisten anderen, sagt sie mir, denn die meisten dieser Mädchen haben nicht viel. So auch Cindy damals. Sie gehört zu den ersten Mädchen, die eine Ausbildung durch Francisca bekommen haben. Nach drei Jahren Ausbildung war sie im Jahr 2000 fertig. Sie hatte keinerlei Unterstützung durch ihr Familie, daher hätte sie kaum etwas für diese Ausbildung bezahlen können. Der Unterricht bei Francisca kostete nichts, daher konnte sie ihn besuchen. Am Wochenende haben sie und die anderen Schülerinnen Fransisca beim Verkauf von Schmuck und Ohrringe geholfen. Zu dieser Zeit gab es noch kein Frankeve, sondern nur Francisca in einem sehr kleinen Raum und einige Mädchen. Noch keine weiteren Lehrer oder Freiwilligen, dafür auch noch keine Rechnungen. Trotzdem meint Cindy, dass die Schule schon damals eine sehr gute Schule war, denn Francisca habe ihnen viel beigebracht und vermitteln können. Daher hat sie die ersten zwei Jahre nach ihrem Abschluss auch für Francisca gearbeitet und sie in der Ausbildung weiterer Mädchen unterstützt.
Bis heute hat Cindy einen sehr engen Kontakt zu Francisca und fragt sie oft nach Rat. Sie ist dankbar für die Chance die sie damals bekommen hat und die ihr ihr heutiges Leben und das ihrer Familie ermöglicht hat.

Eine ähnliche Geschichte, ist die Geschichte von Mary Beduwa Mensah.
Am 22. September 2002 verließ auch sie nach drei Jahren Ausbildung Frankeve. Sieben Mädchen seien sie damals gewesen, erinnert sich Mary. 2009 haben um die 35 Schülerinnen ihren Abschluss gemacht. Nun bildet auch sie wiederum andere junge Mädchen aus. Sieben haben ihre Ausbildung bereits beendet. Drei beschäftige sie momentan. Auch hier bezahlen die Mädchen Geld für ihre Ausbildung, genau wie bei Cindy und überall. Marys Ausbildung war nicht mehr umsonst wie Cindys damals. 2,50 Cedi (umgerechnet 1,25 €) musste sie im Term (3 Monate) bezahlen. Aber auch schon dieses Geld war schwer für Mary zu bekommen, denn nur ihre Mutter unterstützte sie in ihrem tun. Vielen Ghanaer sei der Wert einer Ausbildung ihre Kinder, besonders ihrer Töchter, nicht bewusst. Möglichst schnell Geld verdienen, um die Familie mit zu ernähren sei oftmals das erste Anliegen vieler älterer Familienmitglieder. Wäre sie nicht das jüngste Kind gewesen, hätte sie diese Ausbildung wahrscheinlich kaum machen können, denn dann hätte sie Geld für ihr jüngeren Geschwister mit verdienen müssen, erklärt sie mir.

Mehr als 10 Schneiderinnen sind alleine in der Straße, in der auch die kleine blaue Baracke Marys steht. Viele Kunden schrecke das Aussehen ihres Ladens ab und sie denken sie wäre nicht gut in ihrer Arbeit. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Mary gehört zu den Besten, wie nicht nur sie mir berichtet, sondern auch Francisca. Viele der Schneiderinnen in der Nachbarschaft kommen mit ihren Arbeiten zu ihr, wenn sie Fehler gemacht haben und lassen es von ihr ausbessern. Auch lassen sie sich vieles zeigen, um von ihr zu lernen. Ihre Kunden wissen das auch und bezahlen meist mehr für die neuen Hosen, Hemden und Kleider. Allerdings herrscht ein großer Konkurrenzkampf zwischen den Schneiderinnen. Viele würden immer weniger für ihre Arbeiten berechnen, um Kunden zu gewinnen. Mary erzählt mir, dass Ghanaer sehr geizig sind und nicht gerne viel Geld ausgeben und ihnen manchmal sogar die Qualität egal sei. Nicht nur diese Einstellung, sondern auch das sich viele neue Kunden durch das Aussehen ihres Ladens abschrecken lassen, mache ihr Probleme. Dabei würde sie gerne in das Aussehen ihres Ladens investieren, sie denke sogar über den Kauf eines richtigen Containers nach, dass Problem ist, das Land dafür zu finden. Ihre jetztiges Häuschen hat sie erst drei Jahre lang gemietet und dann gekauft, der Besitzer des Landes auf dem es steht, will nun richtige Gebäude bauen, um höhere Mieten verlangen zu können, diese könnte sich Mary nicht leisten. So wartet sie nun ab, neu streichen oder ausbessern tut sie nicht, denn jeden Tag könnte der Vermieter kommen und das Haus abreißen.
Täglich von 8 bis 17 Uhr ist Mary in ihrem kleinen Geschäft. Wenn sie könnte würde sie länger bleiben, doch da sie keinen Strom in ihrem Laden hat, ist es nach 17 Uhr zu dunkel, um arbeiten zu können. Die Nähmaschiene ist handbetrieben und das Bügeleisen wird mit Kohle erhitzt.
Mary verdient das Haupteinkommen ihrer Familie. Sie ernährt ihren Mann und ihren kleinen zweijährigen Sohn, der den ganzen Tag mit bei der Arbeit ist. Nach und vor der Arbeit kümmert sie sich noch um den ganzen Haushalt und den kleinen Sohn, denn wie Francisca und sie mir lachend mitteilen, würde ein Mann in der ghanaischen Gesellschaft dieses niemals übernehmen.


Gladys Attas Abschluss ist noch nicht so lange her. 2008 verließ sie nach drei Jahren Frankeve. Dort lernte sie nicht Schneidern, sondern Catering. „Sie war eine der besten Schülerinnen und ich hätte sie gern als Lehrerin für Catering in Frankeve behalten“, erinnert sich Francisca. Doch obwohl Gladys ihr Schule sehr gemocht hatte, blieb sie nicht. Das Geld, das man in einem Hotel verdienen kann, ist doch deutlich höher und Gladys hat mit ihren jungen Jahren, nicht nur Verantwortung für sich selber. Auch ihre Familie, bei der sie weiterhin lebt, muss sie nun finanziell unterstützen. Mit einem so guten Einkommen wird dieses von einem erwartet. Sie erinnert sich gerne an die Schulzeit und mochte es von den Freiwilligen unterrichtet zu werden. Da sie fleißig und begabt war, konnte sie in ihrem letzten Jahr schon wieder die jüngeren Klassen unterrichten. Nach der Schule hat Francisca für sie einen Job rund 30 Minuten von Swedru entfernt gefunden. Das macht sie bei den meisten Schülern. Sie kümmert sich auch nach der Schulzeit weiterhin um ihre ehemaligen Schützlinge. Nun arbeitet Gladys in einem der besten Hotels von Swedru in der Küche und als Bedienung. Obwohl einige der Kollegen einen höheren Abschluss haben als sie, seien sie in ihrem Können längst nicht so gut wie sie, gibt Gladys schüchtern, aber auch stolz zu. Oftmals müsse sie sie richtig unterrichten.
Ihr Arbeitstag ist sehr lang. Morgens um 6.30 Uhr beginnt sie und um 21.00 Uhr ist ihr Tag zu ende. Im Gegensatz zu vielen anderen, wurde sie von ihrer Familie, während ihrer Ausbildung immer unterstützt. Ihr jetztiger Beruf ist sehr angesehen und ihre Eltern sind stolz auf sie. Gladys Traum ist jedoch ein eigenes Unternehmen, vielleicht in Accra. Denn wie jede junge Frau, will auch sie sich gerne von ihrer Familie lösen und ihr eigenes Leben leben. Ihre gute Ausbildung hat ihr den Weg dahin ermöglicht.

1 Kommentar:

  1. Hi Maria,
    das Interview und die Aussagen der ehemaligen Schülerinnen sind sehr aufschlußreich und interessant. Man bekommt immer mehr ein Eindruck darüber, wie wichtig Bildung besonders in Afrika und dann noch besonders für Mädchen ist. Daher bin ich froh, dass Dir erstens die Arbeit und Hilfe dort Spaß bringt und zweitens, dass die Mädchen durch die Mithilfe der Freiwilligen eine Chance bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Viele Menschen in Deutschland haben nur wenig Ahnung darüber wie wichtig dieses Engagement ist und was aus Fleiß, Willen und Handwerksfähigkeit (ob als Schneiderin, Friseurin oder im Catering) die Mädchen schaffen können. Ich freue mich mit dir, dass du zu dem Ziel der Mädchen, in dem einem Jahr in dem Du in Ghana bist, vieles beitragen kannst. Liebe Grüsse von deinem PAPS

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