Frankeve Human Development Foundation
1.Projekt
a) Wie sieht deine Tätigkeit aus? Bist du damit zufrieden? Wenn nicht, beschreibe kurz, warum und wie man dies eventuell ändern könnte.
Ich unterrichte zur Zeit 17 Stunden a 60 Minuten die Woche. Meine Fächer sind Mathematik, Englisch und Food and Beverage Service. All diese Stunden unterrichte ich alleine und eigenständig. Hinzu kommt noch die Vorbereitung und Protokollierung der Stunden sowie das Korrigieren von Tests am Nachmittag. Seit einigen Wochen gebe ich am Nachmittag noch extra Stunden für Schülerinnen, die trotz ihrer 18 Jahre nicht richtig lesen und schreiben können. Mit dieser Arbeit bin ich momentan sehr zufrieden, denn sie lastet mich aus und ich sehe bei vielen Schülerinnen Fortschritte. Außerdem trage ich viel Verantwortung, weil ich komplett eigenverantwortlich arbeite. Obwohl ich keine ausgebildete Lehrerin bin, habe ich nicht das Gefühl, dass mein Unterricht schlechter, als der der anderen Lehrer ist, denn auch die meisten ghanaischen Lehrer haben keine Lehrausbildung. Allerdings habe ich oftmals Probleme mich im ghanaischen Schul- und Lernsystem zurecht zu finden. Die Methoden, an die die Schüler gewöhnt sind, unterscheiden sich sehr von den deutschen Methoden. Eigenständiges erarbeiten von Problemlösungen, Gruppenarbeiten oder eigenverantwortliches Lernen, gibt es so gut wie nicht. Auch die körperlichen Strafen bin ich nicht gewohnt. Zum Glück gibt es an meiner Schule kein Schlagen der Schüler, aber Hin knien, Stehen oder Unkraut jäten sind mögliche Bestrafungen. Es viel mir leicht dies zu akzeptieren, selber die Schüler aber so zu bestrafen fehlt mir schwer, obwohl sie dieses teilweise selber von mir fordern. Trotz dessen, denke ich, dass ich nach nun 6 Monaten meinen Weg aus ghanaischen und deutschen Unterrichtsmethoden gefunden habe.
In letzter Zeit habe ich noch einige andere Aufgaben in der Schule übernommen. So wird zum Beispiel die Homepage der Schule neu gestaltet und ich übersetzte die Texte ins Deutsche.
Ein anderes großes Projekt, dass ich momentan durchführe, ist das Sammeln von Spenden für den Bau richtiger Klassenräume. Zur Zeit hat die Schule nur offene Räume, die ein Wellblechdach haben, unter dem es in der afrikanischen Sonne ganz schön warm werden kann, sodass konzentriertes Lernen kaum noch möglich ist. Da meine Schule eine Berufsschule für Catering und Fashion (Schneidern) ist, haben die Mädchen Taschen und andere kleine Produkte genäht, die ich in Deutschland verkaufe. Ich möchte nicht einfach Geld sammeln, sodass der Eindruck entsteht, dass ich die Weiße bin, die Geld bringt. Ich möchte ihnen viel mehr eine Möglichkeit geben, Geld mit ihrem gerade erlernten Handwerk zu verdienen. Alle Produkte, die von meinem Besuch zu Weihnachten nach Deutschland mitgenommen wurden, wurden von meiner Familie bereits in Deutschland verkauft, jedoch kann ein Freiwilliger, der bald nach Deutschland zurück fliegt, einige Dinge mitnehmen und wenn ich zurück fliege, werde ich wiederum einiges mitnehmen.
Von dem Geld, dass bisher zusammen gekommen ist, konnte ein ganzer Raum fast fertig gestellt werden. Das Einkaufen der Stoffe, Besprechen der Schnitte, Kontrollieren der Fehler und Dokumentieren der Fortschritte beim Fertigen der Produkte sowie am Bau, um alle Spender in Deutschland zu informieren, geben mir zusätzliche einiges an Arbeit. Aber es ist gut für mich, neben dem theoretischen Unterricht noch einiges Produktives zu machen, bei dem man die Ergebnisse in der Hand halten kann bzw. direkt sehen kann.
Insgesamt merke ich, dass ich in meinem Projekt wirklich gebraucht werde und das meine Arbeit sinnvoll ist. Wäre ich nicht da, gäbe es kein Geld einen anderen Lehrer zu beschäftigen. Dieses gibt mir in meinem ganzen Tun ein positives Gefühl und Motivation für die kommende Zeit. Auch mein gutes Verhältnis zu meiner Schulleiterin lassen mich in meinem Projekt fast wie zu Hause fühlen.
b) In welcher Form wirst du durch den Projektpartner betreut? Bist du damit zufrieden?
Bisher fühle ich mich gut durch ARA betreut. Allerdings hatten ich auch noch keine wirklichen Probleme, in denen ich Unterstützung benötigt hätte. Ich habe das Gefühl jeder Zeit anrufen zu können und Hilfe zu bekommen. Hinzu kommt, dass wir alle zwei Wochen ein Treffen mit einem Betreuer haben, in dem wir über unsere Problem und mögliche Lösungen reden können.
ARA hat uns auch bei unseren Problemen mit der Visumsverlängerung geholfen.
Letztes Wochenende hatten wir unser zweites Evaluationsseminar in Accar. Alle drei Monate treffen wir uns mit allen ARA Mitarbeitern und Weltwärtsfreiwilligen, um über Probleme, Veränderungen im Projekt oder an uns selber und anderen Themen zu sprechen. Diese Treffen empfinde ich als sehr positiv, denn oftmals scheint einem ein Problem zu klein, um deshalb anzurufen. Außerdem kann man den ganzen Aufenthalt in Ghana in diese Zeit gut reflektieren.
Was mir bisher aber sehr negativ an ARA aufgefallen ist, ist die Kommunikation unter den Mitarbeitern und gegenüber den Freiwilligen. Informationen kommen oftmals sehr spät oder erst auf Nachfrage. Es kann auch mal sein, dass mache Mitarbeiter verschiedene Dinge sagen oder über andere gar nicht Bescheid wissen. Ein Beispiel von vielen ist, dass ich erst am Mittwochabend von anderen Freiwilligen gehört habe, dass das Seminar nicht am Freitag, wie angekündigt, sondern schon am Donnerstag losgeht. Auf dem Seminar haben wir dann auch erfahren, dass es erst Montag anstatt Sonntag endet.
2. Leben
a) Beschreibe kurz dein Leben außerhalb der Arbeitszeiten (Ausflugsmöglichkeiten etc.) Wie verbringst du deine Freizeit?
Meine Nachmittag sehen immer verschieden aus. Seit einiger Zeit sind sie durch den extra Unterricht noch kürzer, außerdem bereite ich noch Unterricht vor und Korrigiere.
An einem Tag die Woche wasche ich den ganzen Nachmittag meine Kleidung. Wenn ich aber mal Zeit habe, treffe ich mich mit anderen Freiwilligen oder gehe zur Post bzw. etwas einkaufen. Hobbys hat man hier außer lesen nicht viele. Da ich ein Netbook habe kann ich auch viele Berichte und Artikel schreiben. Außerdem habe ich viele Gespräche mit meinen Gasteltern und schaue manchmal mit ihnen gemeinsam Fernsehen. Am Wochenende gehe ich oft in die Kirche, mal mit meinen Gasteltern gemeinsam, mal alleine in die katholische Messe, würde ich nicht gehen, würden meine Gasteltern dies sehr negativ sehen. Ich war mit ihnen auch schon auf einer Verlobung, einer Hochzeit und einer Beerdigung. Alle zwei bis drei Wochen reise ich mit anderen Freiwilligen am Wochenende und schaue mir etwas vom Land an.
Viele Freizeitmöglichkeiten wie in Deutschland gibt es hier allerdings nicht.
b) Mit wem hast du Kontakt (andere Freiwillige, Einheimische etc.) ?
Die meisten Freunde habe ich unter den anderen Freiwilligen, mit denen man auch etwas gemeinsames unternimmt. Es ist nicht so, dass ich sie jeden Tag sehe, aber schon ein paar mal die Woche. Der Kontakt zu Einheimischen ist teilweise gut, aber auch schwierig. Zu meinen Gasteltern und den Mädchen, die bei uns im Haus wohnen habe ich einen sehr guten und engen Kontakt. Besonders mit meinem Gastvater habe ich viele Gespräche. Genauso mit meiner Schulleiterin und ihrem Ehemann. Diese würde ich sogar als Freunde bezeichnen. Außerdem habe ich noch Kontakt zu einigen Leuten, die man immer mal wieder trifft und sich kurz unterhält. Richtige Freundschaften sind das aber nie, weil man immer wieder erfährt, dass einen viele Menschen, die man so kennen lernt und trifft, nach Geld fragen oder einer Möglichkeit nach Deutschland zu kommen. Frauen in meinem Alter kennen zu lernen ist schwierig, denn sie müssen arbeiten oder in der Familie helfen.Weg zu gehen wird in der Gesellschaft oftmals schlecht angesehen. Wie gesagt, gibt es auch nicht viele Hobbys, die man teilen könnte. Bei Männern macht man sehr oft die Erfahrungen, dass sie sofort eine Beziehung zu einem haben wollen, rein platonische Freundschaften gibt es kaum.
Aber ich denke auch, das meine persönliche Einstellung vieles ändern könnte. Ich bin ein Mensch der zum Aufbau von Freundschaften und Vertrauen vielleicht auch mehr Zeit braucht als andere und zurückhaltender ist.
3. Reflektion
a) Beschreibe eine Beobachtung oder ein persönliches Erlebnis aus dem letzten Monate, welche/s für dich sehr überraschend oder ungewohnt war.
Zu Weihnachten bin ich gereist. In dieser Zeit habe ich mehr vom Land, aber auch seinen Gegensätzen gesehen. An einem Tag waren wir im Norden Ghanas und haben runde Lehmhütten in ärmlichen Dörfern gesehen. Diese hatten gerade mal einen Wasserbrunnen für das ganze Dorf und unser ghanaischer Begleiter hat uns auch berichtet, dass diese Menschen nicht genug hätten, um sich selber zu versorgen. Sie seien auf Lebensmittelhilfe aus dem Süden Ghanas angewiesen. Am nächsten Tag war ich in Accra in einem Beach Ressort. Dort waren hauptsächlich reiche Ghanaer, die alles bestellen konnte was sie wollten, im Swimmingpool Pool gebadet haben und mit ihren Kindern auf einem Spielplatz waren. Diese extremen Unterschied in ein und demselben Land in so kurzer Zeit zu erleben, hat mich im ersten Moment verstört. Aber dann ist mir bewusst geworden, dass es auch in Deutschland große Unterschiede gibt. Wir haben auch 5 Sterne Hotels und gleichzeitig Obdachlose eine Straße weiter. Wir kennen diese Welt nur besser und sie ist uns vertrauter, daher wirkt dieses nicht so verstörend auf uns, wie das Erleben dieser Gegensätze in einem fremden Land und einer fremden Kultur. Allerdings muss ich schon sagen, dass Ghana wirklich ein Land der Gegensätze ist und man vieles oftmals mit unserm europäischen Blick nicht verstehen kann.
Ein anderes Erlebnis hatte ich gestern. Auf der Straße wurde ich von einer Frau in Uniform angesprochen. Ich habe höflich auf sie gewartet. Dann hat sie mich aber nur nach meinem Namen gefragt und dann nichts mehr, also bin ich weiter gegangen, weil ich pünktlich zur Schule musste. Hinzu kam noch, dass diese Frau wirklich sehr langsam gegangen ist. Als sie meinte, warum ich gehe, sie spreche doch mit mir, habe ich ihr erwidert, dass ich leider in Eile sei. Das war anscheinend keine so gute Antwort. Die Frau ist total sauer geworden und meinte sie sei vom Immigration Service. Dann hat sie mich gefragt, wie lange ich in Ghana sei und wollte mein Visum und Reisepass sehen. Natürlich trage ich diese Dokumente nicht mit mir herum, sondern sie liegen sicher verwahrt in meiner Unterkunft. Das wollte die Frau mir aber nicht glauben und wurde sehr wütend. Ich hatte gar keine Chance mich irgendwie zu verteidige, weil sie mich gar nicht hat reden lassen.Man muss in Ghana auch keine Papiere mit sich tragen. Sie wollte mich mit ins Büro nehmen und ihren Chef informieren. Sie meinte sie hätte mich schon seit einem Monat an dieser Straße langlaufen sehen und beobachtet.
Fast 10 Minuten ging dieser Streit, bis sie in eine andere Richtung musste und meinte sie würde morgen auf mich warten. Sollte ich dann meine Papiere nicht haben, würde ich ein ernsthaftes Problem bekommen. Heute morgen war die Frau zum Glück nicht da.
Ich habe mit anderen Ghanaern gesprochen und sie haben mir recht gegeben, dass ich nichts falsches gemacht habe. Die Frau kam sich nur sehr wichtig in ihrer Uniform vor und ich habe ihr anscheinend nicht genügend Respekt entgegen gebracht. Daraufhin wollte sie mir ihre Macht demonstrieren. In der Situation und auch direkt danach, habe ich mich allerdings so hilflos und ungerecht behandelt gefühlt. Eine Uniform hat hier auf die Menschen, auch auf die, die sie tragen eine ganze andere Wirkung, als in Europa.
b) Gibt oder gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme?
i.Was wurde bereits von dir und/oder dem Projektpartner versucht, um diese zu lösen? War dies erfolgreich?
Am Anfang hatte ich einige ganz kleine Probleme in der Gastfamilie. Ich bin die erste Freiwillige in der Familie und so war für beide Seiten alles neu. Die Probleme waren, dass ich zu viel essen musste und nicht nein sagen durfte. Außerdem habe ich viele persönliche Konflikte mit dem Glauben und der Kirche meiner Gasteltern gehabt. Diese Probleme sind aber nach zwei Monaten verschwunden. Ich bin in der Familie vom Gast zum Familienmitglied geworden und kann auch mal selber Entscheidungen treffen. Hauptsächlich habe aber ich gelernt, meine Rolle in der Familie anzunehmen und einige Freiheiten aufgegeben, bzw. erobere sie mir langsam wieder.
Insgesamt ist das Leben in der Familie jetzt aber positiv.
Mein einziges Problem ist, dass ich Kakerlaken in meinem Zimmer habe. Nachdem sie zwei mal, trotz Moskitonetz, in meinem Bett waren und ich von ihrem Krabbeln über meine Haut aufgewacht bin, kann ich kaum noch schlafen. Aber hier tut meine Familie wirklich alles um mir zu helfen. Am Anfang wurde mein Ekel noch belächelt, aber mittlerweile wurde im Haus gesprüht und ein Schreiner war da, der einige Ritzen meines Zimmers zur Garage abgedichtet hat. Aber leider sind sie immer noch zahlreich im Haus unterwegs. Insgesamt bin ich aber froh, dass dies momentan mein einziges Problem ist.
ii)Welchen Lösungsweg könntest du dir vorstellen?
Meine Gastmutter will vielleicht eine Art Kammerjäger bestellen, der das ganze Haus nochmal gründlich mit Insektengift ein sprüht. Sonst bin ich mittlerweile machtlos und schlafe seit einiger Zeit nur noch mit Licht, weil Kakerlaken vom Licht in die Räume ohne Licht flüchten.
4) Sonstiges
a) Was du sonst noch sagen/erzählen wolltest:
Vom 29. Januar bis 5. Februar hatte ich ein Zwischenseminar von FID in Abetefi. Dieses Seminar fand ich sehr gut, denn ich bin nicht nur einmal komplett aus allem heraus gekommen, sondern ich habe vor allem Freiwillige aus anderen Ländern, Projekten und Organisationen kennen gelernt. Dieser Austausch hat mir persönlich sehr viel gebracht, da ich ganz andere Ansichten und Erfahrungen kennen lernen konnte. Ich sehe viele Dinge jetzt positiver und habe mehr Motivation andere Dinge zu probieren. Auch, dass wir Teamer aus Deutschland hatten, war sehr positiv, denn Probleme auf deutsch zu besprechen, ist einfacher. Da das Seminar eine Woche ging, hatte man auch wirklich Zeit für das Besprechen von Konflikte und Erfahrungsaustausche zu vertiefen.
Problem konnten auch besprochen werden, ohne das irgendjemand außer man selber direkt betroffen ist. Dadurch hat sich keiner angegriffen gefühlt bzw. man musste keine Angst haben was für Konsequenzen einzelne Aussagen haben. Man konnte sich voll auf sich selber und die eigene Rolle konzentrieren. Daher würde ich jedem empfehlen, diese Art von Zwischenseminar zu besuchen.
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