Dienstag, 2. März 2010

6 Monate Ghana - Seminar in Accra

Letztes Wochenende hatte ich mein zweites Seminar mit meiner Organisation ARA in Bortianor/ Accra. Dieses Seminar haben wir jede drei Monate und so auch jetzt nach 6 Monaten. In diesem Haus der Organisation, direkt am atlantischen Strand, habe ich auch meine ersten Nächte in Ghana verbracht und ich habe dieses mal sogar im gleichen Zimmer, wie in meiner ersten Nacht in Ghana, geschlafen. Das Gefühl wieder da zu sein, wo alles angefangen hat, ist schon witzig und ich kann mich noch an die Ankunft vor 6 Monaten erinnern als wäre es gestern.
An diesem Wochenende haben wir uns über viele Dinge ausgetauscht und einiges besprochen, denn in 6 Monaten können viele Probleme auftauchen und Veränderungen können stattfinden.
Mein persönliches Highlight war aber ein Ausflug, den wir am Sonntag in die Shi Hills nördlich von Accra gemacht haben. Die Shi Hills sind ein Wildtierreserverat in einer Savannen- und Hügellandschaft. Dort gab es nicht so viel Tiere wie in Mole zu sehen, aber die Landschaft war wirklich toll. Wir sind dann noch auf einen Berg gestiegen. 290 Höhenmeter, eigentlich kein Problem, aber der „Weg“ war wirklich steil. Zum Teil musste man richtig kletter und das ohne passende Schuhausrüstung, weil man uns nicht Bescheid gesagt hatte, dass wir wandern werden. Daher mussten einige sogar mit Flip Flops klettern. Auch die 35 Grad im Schatten, haben nicht dazu beigetragen, dass das ganze ein Spaziergang war. Die Aussicht hat uns aber für alle Mühen entlohnt! Der Blick von einem Felsen in die flache Savannenlandschaft war herrlich. Man konnte so weit gucken, dass man sogar die Erdkrümmung erkennen konnte.
Danach sind wir noch durch eine Höhle gekrochen. An einer Stelle war es so eng und steil (man kam sich vor wie an einer Kletterwand), dass jeder der an der Reihe war nur meinte „ Scheiße, ist das schwer“ und sich dabei kaputt gelacht hat. Aber auch ich habe es geschafft und kann wirklich stolz auf mich sein :) An diesem Tag hatten wir wirklich viel Spaß.



Auch eine ganz kleine Autopanne auf dem Rückweg, hat uns die Stimmung nicht verdorben. Ghanaisch entspannt haben wir die drei Stunden einfach am Straßenrand abgewartet, bzw. sind in einem Spot etwas trinken gegangen. In dem Auto war das „Gasseil“ gerissen und man konnte kein Gas mehr geben. Den ADAC gibt es hier leider nicht und so haben wir das Auto erstmal von der Straße geschoben und ein paar Mechaniker aus der Nähe sind zum Glück auch schnell aufgetaucht. Die haben dann mit einen Schraubschlüssel am Motor gebastelt. Das neue Seil soll aus einem Fahrrad ausgebaut worden sein. Aber am Ende ging das Gaspedal wieder, dafür konnte man den Motor nicht mehr ausstellen, bzw. den Schlüssel ziehen und nichts passierte. Man kann ja nicht alles haben. Dann wurde noch festgestellt, dass wir einen Platten links vorne hatten. Natürlich gab es keinen Ersatzreifen. Daher wurde mit dem anderen Auto losgefahren, um den Reifen zu flicken und auf zu pumpen. Ich fand es eigentlich nur witzig, den Ghanaer beim Arbeiten zu zusehen. Auch alle anderen sind sehr ruhig und entspannt gewesen. Nach 6 Monaten hat man sich ans Warten ohne zu wissen, wann es weiter geht oder was kommt, gewöhnt. Man kann die Dinge durch Stress hier sowieso nicht ändern oder beschleunigen, also muss man sich mit der Situation abfinden und das Beste daraus machen.

Am Abend hat eine ghanaische Tanz- und Trommelgruppe uns noch eine kleine Vorführung gegeben, die natürlich auch voll lange auf uns wartet mussten, weil wir ja die Panne hatten.

Am nächsten Tag bin ich noch mit zwei anderen Freiwilligen nach Accra auf den Second Hand Markt gegangen, oder besser gesagt, dorthin, wo unsere Altkleider landen. Ich habe mir nichts gekauft, auch, wenn man bei Kleidung für 10 Cent nichts falsch machen kann. Es war unglaublich lustig auf H&M oder Bench T-shirts zu stoßen. Auch ein Hard Rock Café T-Shirt war dabei, an dem noch das original Preisschild hing. Manchmal gab es nur einen großen Haufen, in dem man wühlen musste, aber einige hatten sich auch spezialisiert. Nur Kinderkleidung oder Trikos, nur Jeansröcke, nur T-shirt, nur Hosen oder Blusen und Kleider. Der Markt war echt groß und wenn man nur lange gesucht hätte, hätte man alles finden können.
Langsam wird mir immer mehr bewusst, dass wirklich alles was wir in Europa los werden wollen hier in Afrika landet. Nicht nur Altkleider und Autos, sondern auch alte Kühlschränke, Computer oder Kopierer. Bei manchen findet man noch deutsche oder holländische Bedienungsanleitungen. Aber auch Lebensmittel, die wir in Europa produziert haben und keine Abnehmer finden oder nicht den Standards entsprichen, landen hier, wie z.B. Milchpulver, eingefrorene Hühner oder Säfte.
Afrika ist in manchen Dingen die Müllhalde Europas. Das ist vor allem schlimm für die heimischen Produzenten, weil die gegen die billige Massenware aus Europa, aber auch aus den USA oder China, keine Chance haben. So wächst die Abhängigkeit der Menschen hier immer mehr, weil sie selber nichts mehr produzieren und kein Einkommen haben und so wächst die Spirale der Abhängigkeit. Auch Lebensmittelspenden sind nicht gut. Warum soll man den Reis vom Bauern nebenan kaufen, wenn es ihn aus Japan umsonst gibt? Das der Bauer seine Kinder nicht mehr zur Schule schicken kann oder in neue Techniken investieren kann, ist keinem bewusst. Viele Konzerne schaffen sogar eine künstlich Abhängigkeit des afrikanischen Marktes, um dann die Preise zu erhöhen, nachdem alle lokalen Produzenten insolvent sind. Wir in Europa sollten nicht nur darauf achten, so viele Arbeitsplätze in unserer heimischen Industrie wie möglich zu schaffen, sondern auch auf die Auswirkungen, die dies für andere Länder, besonders den ärmeren hat. Wir leben nicht für uns und unseren Wohlstand, sondern in einer Weltgemeinschaft. Unser Wohlstand kann Schuld für den Hunger anderer Menschen auf der Welt sein, da hilft auch keine Spende zu Weihnachten an die armen Kinder in Afrika oder große Entwicklungshilfe, denn vieles kommt gar nicht bei den Leuten an. Nur ein Beispiel für unsere zweiseitige Politik mit den Entwicklungsländern. Vor einigen Jahren, wollte Ghana seinen Markt für einige Produkte aus dem Ausland sperren, dh. die Einfuhr verbieten oder einen sehr hohen Zoll verlangen, um einheimische Produzenten zu stärken. Daraufhin hat die Weltbank gedroht Entwicklungshilfen für das Land zu streichen. Natürlich wurde dem Wunsch der Weltbank nachgegeben.
Wir sollten uns alle Gedanken machen, was unser Handeln für Folgen hat. Wir haben Gewerkschaften oder andere Gruppen, die für unsere Interessen eintreten, die Menschen hier haben keine Stimme und oftmals ist Hilfe auch keine Hilfe.

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