Die Reise von Accra hat nur knappe 4 Stunden gedauert und umgerechnet 3,50 Euro gekostet.
Die Grenzanlage war für Europäische Augen echt witzig. Eine Sandstraße, eine Seil zur Absperrung und ein Zaun. Ghanaer und Togolesen brauchen kein Visum und müssen nur ihren Pass vorzeigen, die meisten behaupten aber, dass sie keine Papiere haben und können daher einfach so ohne jegliche Kontrolle die Grenze passieren. Ohne Papiere ist das Leben hier im allgemeinen sowieso viel unkomplizierter. Für uns Weiße ging aber ein Papiermarathon los. Erstmal mussten wir uns in Ghana abmelden und einen Stempel bekommen, dass wir ausreisen. Dabei mussten wir ein Formular ausfüllen, in dem wir alles möglich angeben mussten. Adressen, Gründe und Daten. Auf der togolesischen Seite in einer Art Hütte, eigentlich nur ein überdachter Platz mit Schreibtisch (ich frage mich, was die machen, wenn es regnet), mussten wir das gleiche wieder machen. Die wollten sogar die Namen unserer Eltern wissen und wo wir übernachten und und und. Schlecht nur für die Menschen, die z.B. nicht wissen, wie ihr Vater heißt. Dann mussten wir noch 10.000 CFA bezahlen umgerechnet 15 Euro für das Visum. Vor der Grenze stehen immer unglaublich viele Menschen, die Geld wechseln. Sie sitzen unter einem Sonnenschirm, haben einen Stuhl, einen Taschenrechner und einen riesigen Bündel der beiden Währungen bei sich. Auf jeden Fall, sollte man mitrechnen, auch mich haben sie versucht zu beschei..., ich meine zu betrügen.
In Lome bin mit einer anderen Freiwilligen bei einem katholischen Priester untergekommen. Ein bekannter Priester aus Togo in Deutschland hat mir den Kontakt vermittelt und ich bin ihm unglaublich dankbar, denn ich spreche kein Wort Französisch und auch die andere Freiwillige nicht, natürlich konnte dort niemand Latein :).
Von Freitag bis Montag konnten wir im Pfarrhaus kostenlos wohnen und essen. Mit seinem Auto hat er uns Lome bei Nacht gezeigt und ist auch am nächsten Tag mit uns durch die Gegend gefahren. Am Nachmittag sind wir mit einem Mädchen aus dem Pfarrhaus über den Markt und durch die Straßen gelaufen. Zwar konnte sie kein Englisch oder Deutsch, aber wir konnten ihr vertrauen und uns mit Zeichensprache verständigen und haben uns so wenigstens nicht verlaufen oder für irgendetwas zu viel bezahlt. Der Pfarrer konnte glücklicherweise Deutsch, weil er einige Jahre in Deutschland gelebt hat.
Mein Eindruck von Lome ist, dass es viele Ähnlichkeiten mit Ghana hat. Die Sprache ist natürlich der größte Unterschied, aber auch der Verkehr. In Accra ist immer und überall Stau, in Lome ist der Verkehr verhältnismäßig übersichtlich, dass liegt vor allem an den ganzen Motorradtaxis, die es bei uns in Ghana nicht gibt. Diese sind aber auch sehr gefährlich, denn man braucht dafür keinen Führerschein und so haben wir auch mehrere Unfälle gesehen und ohne Helm mit kurzer Hose von einem Motorrad zu fallen ist nicht so angenehm.
Da Lome direkt am Meer liegt, ist es dort durch den ständigen Wind von den Temperaturen viel erträglicher, als in Swedru. Der Nachteil ist aber, dass die Stadt praktisch auf Sandstrand gebaut ist und man, wenn man durch die Straßen läuft teilweise das Gefühl hat, über einen Strand zu laufen. Von dem ganzen Sand und Staub, der auf der schweißnassen Haut kleben bleibt, ist man auch unglaublich dreckig.
Das Highlight war ein Restaurantbesuch am Sonntag Mittag. In diesem Restaurant gab es deutsches Essen und sogar die Karte war teilweise in deutsch. Ich konnte mich überhaupt nicht entscheiden, am liebsten hätte ich alles gegessen. Am Ende ist es dann ein Schnitzel mit Kartoffelpüree geworden. Später gab es dann noch Eis und natürlich wurden wir wieder eingeladen. Der Pfarrer hat sogar Schweinshaxe gegessen. So ein Essen gibt es hier wirklich sonst nicht! Auch am Abend waren wir bei einem Gemeindemitglied zum Essen eingeladen. Es war ein unglaublich netter Abend, obwohl wir mit niemanden direkt reden konnten. Aber sie waren alle sehr herzlich und gastfreundlich.
Die Gemeinde des Pfarrers liegt in einem Vorort Lomes und hat 10.000 Mitglieder. Einen Sonntag haben sie gezählt 2.000 Leute haben die Messe besucht. Es gibt eine Hauptkirche, die ganz neu ist, neben der auch das Gemeindehaus und eine Schule ist und eine weiter „Kirche“ etwas entfernt. Dabei handelt es sich nur um eine Art offene Scheune, ohne richtige Einrichtung oder Wände. Am Sonntag gibt es drei Messen und die Messe morgens um 6 war so voll, dass das Auto vom Pfarrer zu gestellt war, denn die Leute hatten sich die Bänke aus der Schule geholt und um die Kirche herum postiert, denn die war voll. Die ganze Zeit, in der wir da waren, waren immer irgendwelche Anbetungen oder Gruppen in der Kirche oder drumherum.
Die Reaktion auf Deutsche war sehr positiv, obwohl Togo eine ehemalige Kolonie Deutschlands war. Uns wurde erzählt, das die Togolesen Deutsche viel mehr mögen als Franzosen, die nach den Deutschen die Kolonialmacht in Togo waren. Die Erinnerungen an die Deutschen seien sehr positiv, den unter diesen konnte man Karriere machen, was bei den Franzosen nicht der Fall gewesen sei. Diese haben nur ihre eigenen Leute in wichtige Positionen gesteckt. Wenn man nicht perfekt Französisch konnte, hatte man kaum eine Chance. Auch die deutsche Arbeitseinstellung wird noch heute als sehr positiv angesehen.
Am Montagmorgen wurden wir von dem Pfarrer zur Grenze gebracht. Dort haben wir wieder alle Papiere ausfüllen müssen und ich habe meinen Stempel in meinen Pass bekommen. Dann ging es auf den Weg zurück nach Accra und dann Swedru. Es war gut, auch ein anderes westafrikanisches Land, wenn auch nur ein bisschen, kennen zu lernen.
Auf dem Weg nach Lome:
An der Trotro Station in Accra. Ein mobiler Haarschneidesalon. Ja, der Mann bekommt gerade einen Haarschnitt. Der Friseur hat eine Schere, ein Messer und einen Umhang dabei und wenn man will kann man sich direkt da, wo man gerade ist, die Haare schneiden lassen.
Eine Reise die ist lustig, eine Reise die ist schön,...
Meinewenigkeit auf dem Weg nach Lome in einem Trotro, damit ihr seht, dass ich wirklich da bin:) Ich bin ja sonst immer hinter der Kamera.
Eindrücke aus Lome:
Die Menschen tragen ihre Lasten auf dem Kopf, egal wie viel oder schwer es ist. Viele von ihnen könnten den gesamten Möbelkauf von IKEA auf dem Kopf nach Hause tragen.
Eine gepflasterte Straße. Es gibt unglaublich viele Motorradtaxis.
Die Hauptstraße direkt am Meer.
Viele Straßen gleichen mehr einem Strand. Lome liegt nämlich direkt am Meer.
Eine Bank in Lome. Verschiedene Welten in einer Stadt, aber das gibt es ja fast überall.
Ein Thermometer! Sonst glaubt ihr mir mein Stöhnen über das Wetter ja nie! Und ganz ehrlich, ich fand es nicht warm an diesem Tag! Aber wenn es wirklich warm ist, ist ja nirgends ein Thermometer in der Nähe! Wer es nicht lesen kann, 37 Grad Celsius!
Die neue Kirche in Lome. Bei dem Pfarrer dieser Gemeinde haben wir gewohnt. Von drinnen ist sie aber noch nicht fertig.
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