Dienstag, 29. Dezember 2009

Was ist denn hier los...?

Als ich nach meiner Reise am 26.12. Vormittags nach Hause kam, konnte ich schon von weitem sehen, dass irgendetwas anders war. Ein Zeltdach war vor unserer Veranda aufgebaut, unter dem auch einige junge Männer saßen. Als ich das Taxi verließ wurde meine Verwunderung genauso wie meine Befürchtungen größer, denn ich sah, dass auch viel Leute auf unserer Veranda saßen.
Wenn ich etwas vermeiden will, sind es eigentlich große Menschenansammlungen, weil ich dort von jedem angesprochen werde, und an diesem morgen wollte ich eigentlich nichts anderes als einfach in mein Zimmer, mich ausruhen und mit meiner Gastfamilie reden.
Vor unserer Haustür waren dann ca. 30 kleine Kinder. Meine Befürchtungen wurden noch weit übertroffene, als ich ins Haus trat. Es war kein Eintreten im eigentlichen Sinne, denn dafür hätte ich ja reingehen müssen. Das Haus war so voll, dass ich nicht einen Zentimeter rein kam. Alles voller Leute, die auf Stühlen saßen. Das Zentrum der Aufmerksamkeit schien im Wohnzimmer zu liegen. Im ersten Moment konnte ich auch niemanden aus meiner Gastfamilie entdecken. In mein Zimmer zu kommen war aussichtslos, denn dafür hätte ich das Wohnzimmer durchqueren müssen. In der Küche fand ich meine Gastmutter. Sie hat Unmengen an Reis in Plastikschalen gefüllt. Dann wurde ich auch aufgeklärt, was eigentlich in unserem Haus los war.
Eine Verlobungsfeier. Von wem? Eine entfernte Verwandte, die auch mal mit meinen Gasteltern (wie die 2 Mädchen jetzt) zusammengelebt hatte. Ich glaube aber, dass ich sie vorher noch nicht gesehen hatte. Im ersten Moment fand ich es schrecklich, denn ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet gewesen und total fertig von der Wärme und der Fahrt. Dann wurde es aber schnell besser, ich hatte das vorher noch nicht gesehen und es war echt interessant. Natürlich habe ich wie immer kein Wort verstanden, weil alles auf Fante (Fanti gesprochen) war.
Ich habe nur die Leute im Haus gezählt. Es waren um die 100! Es war super eng und nirgendwo ein durchkommen. In der afrikanischen Sonne draußen war es deutlich kühler, als in dem überfüllten Wohnzimmer. Der Scheinwerfer für die Filmaufnahmen tat sein übriges zum Raumklima bei.
Die Braut wurde herein geführt, es wurde gesungen, Reden gehalten, von verschiedenen Leuten, natürlich auch viel gebetet. Die Brautleute haben sich Geschenke gegeben und der Ring wurde, bevor die Braut ihn bekommen hat, jedem im Raum von nahem gezeigt.
Am Ende gab es für jeden etwas zu essen und zu trinken.
Auch auf dieser Veranstaltung war es mal wieder schwer für mich in der Masse unter zu gehen. Nicht nur, dass ich mitten in die Veranstaltung, mit einem großen Rucksack auf dem Rücken und total verschwitzt, geplatzt bin und total verwirrt an der Tür stand, auch mein leicht anderes körperliches Aussehen (weiße Haut) haben dazu beigetragen, dass wirklich jeder wusste, dass ich da war. So dauerte es mal wieder nicht lange bis ich das Zentrum des Interesses vieler bildete. Sehr witzig, aber auch etwas anstrengend, war ein gewisser Frank, der unbedingt wollte, dass wir beide bald unsere Verlobung feiern. Wieder einmal musste ich erfahren, wie hoch doch die Frustrationstoleranz von ghanaischen Männern ist und das „Abweisung“ und „Aufgabe“ in ihrem Vokabular nicht vorkommen. Ich habe ihn dann damit vertröstet, dass wir uns auf der Hochzeit wiedersehen und wir das Datum unserer eigenen Hochzeit, dann nochmal neu verhandeln können.

Ein Blick in unser Wohnzimmer. Auf der anderen Seite und hinter mir und im Essbereich, der Küche, der Veranda und überall waren noch andere Leute.
Die beiden in der Mitte auf den Stühlen in hell blauer Kleidung sind das Brautpaar (die Frau mit der komischen Kopfbedeckung).

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