Frankeve Human Development Foundation
1. Projekt
a) Wie sieht deine Tätigkeit aus? Bist Du damit zufrieden? Wenn nicht, beschreibe kurz, warum und wie man dies eventuell ändern könnte.
Ich unterrichte an der Frankeve Vocational School Englisch, Mathe und Food und Beverage Service. Insgesamt gebe ich 18 Stunden a 60 Minuten Unterricht. Durch Vorbereitung und Korrekturen von eingesammelten Aufgaben bin ich wirklich gut ausgelastet und damit zufrieden. Ich unterrichte völlig eigenständig und ohne große Kontrolle. Bei Fragen kann ich mich aber immer an meine Schulleiterin wenden. Ich habe großen Spaß am unterrichten, vor allem, weil die Schülerinnen so nett sind. Schlagen oder harte Strafen gibt es in meiner Schule nicht. Darüber bin ich sehr glücklich, allerdings fehlen in einigen älteren Klassen manchmal die Motivation und die Konzentrationsbereitschaft. Ich versuche daher meinen Unterricht so interessant wie möglich zu gestalten, was ohne Bücher, Kopien oder andere Hilfsmittel etwas schwierig ist. Auch Spiele oder anderes ist bei 20-jährigen Mädchen nicht wirklich eine Motivation. Die meisten von ihnen müssen sehr viel im Haushalt mithelfen und daher sind sie verständlicherweise oftmals sehr müde. Letzte Woche habe ich die Exams für meine Schülerinnen geschrieben und kopiert. Normalerweise müssen Lehrer die nur in ein Heft eintragen und alles andere wird für sie gemacht, in meiner Schule müssen die Lehrer dies aber eingenständig organisieren und finanzieren. Weil ich die Termine erst einen Tag vorher gesagt bekommen habe, hatte ich etwas Stress alles noch rechtzeitgig fertig zu bekommen. Ich konnte die Aufgaben selber stellen und wurde auch nicht kontrolliert. Auch das Berichtigen und Notengeben liegt alleine in meiner Hand. Daran sieht man wie groß meine Verantwortung ist die ich hier trage und das Vertrauen der Schulleiterin in meine Fähigkeiten. Insgesamt bin ich sehr froh in diesem Projekt zu sein und sehe meine Arbeit als sinnvoll und gebraucht an, weil es sonst fast keine Lehrer an dieser Schule gibt.
b) In welcher Form wirst du durch deinen Projektpartner betreut? Bist du damit zufrieden?
Mit der Betreuung von ARA bin ich momentan sehr zufrieden. Ich habe aber auch keinerlei Probleme, weshalb ich derzeit keine besondere Unterstützung oder Hilfestellung benötige.
Alle 2 Wochen habe wir ein Nachmittagstreffen mit Lawrence bei dem wir schriftlich unsere derzeitige Situation im Projekt, der Gastfamilie und zu ARA aufschreiben. Anschließend wird über Probleme gesprochen und mögliche Lösungen diskutiert bzw. gesagt, dass sich darum gekümmert wird. Da ich keine großen Probleme hatte, kann ich nicht sagen, inwiefern die Betreuung anschließend aussieht. Ich habe aber das Gefühl jederzeit bei ARA anrufen zu können, besonders weil Nina, eine andere Freiwillige, im ARA Büro arbeitet und es doch einfacher ist auf in deutscher Sprache Probleme oder Unstimmigkeiten mitzuteilen oder um etwas zu bitten.
Ich habe jetzt auch meinen Reisepass wieder mit der Verlängerung meines Visums bis zum 16. März 2010. Ich musste nur das Geld an Henry, meinen Mentor, geben und ARA hat sich um alles gekümmert.
Ende November hatten wir unser erstes Evaluationsseminar in Bortianor. Hier haben wir über unsere Gastfamilien, die Projekte, ARA und unsere sozialen Kontakte in Ghana gesprochen. Insgesamt war es gut, doch manchmal fand ich haben die ARA Mitarbeiter etwas überreagiert bei Kritik und dadurch den Konflikt noch verstärkt, anstatt Verständnis zu zeigen. Aber auch hier war ich niemals persönlich betroffen und kann nicht sagen, inwieweit die Probleme für die jewaligen Freiwilligen zufriedenstellend gelöst wurden.
2. Leben
a) Beschreibe kurz dein Leben außerhalb der Arbeitszeit (Ausflugmöglichkeiten etc.). Wie verbringst du deine Freizeit?
Meine Freizeitgestaltung ist ziemlich unterschiedlich. In der Woche arbeite ich lange und habe Vorbereitungen, sodass ich an einem Nachmittag vielleicht noch für eine Stunde ins Internetcafe gehen, etwas einkaufen oder noch ein paar Kleidungsstücke waschen kann. Außerdem treffe ich mich oft mit anderen Freiwilligen. Durch den anstrengenden Tag ist man aber auch froh gegen 6, wenn es hier schon dunkel ist, zu Hause zu sein und früh schlafen zu gehen. Gereist bin ich bisher noch nicht so viel, was ich sehr schade finde und auch gerne ändern würde. Bald sind aber auch Ferien, in denen ich auf jeden Fall etwas vom Land sehen will. Am Wochenende gehe ich oft mit in die Kirche, mal auf eine Beerdigung oder mache in Swedru etwas mit anderen Freiwilligen. So war ich letztens erst auf einem Schuljubiläum.
b) Mit wem hast du Kontakt (andere Freiwillige, Einheimische etc.)?
In Swedru sind einige Freiwillige, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern. Daher hat man viele Möglichkeiten Freundschaften zu schließen. Der Kontakt zu Einheimischen ist aber leider etwas schwierig. Natürlich habe ich meine Familie, mit denen ich auch viel mache und die ich mag. Auch in der Schule habe ich viele Kontakte. Ich habe sehr oft private Gespräche mit der Schulleiterin und ihrem Ehemann, auch zu den Schülerinnen habe ich viel Kontakt die ja ungefähr in meinem Alter sind. Allerdings ist das mit denen auch manchmal etwas schwierig, denn ich bin ihre Lehrerin und nicht ihre Freundin. Bei Benotungen muss ich objektiv sein und ich kann auch nicht jeder Schülerin meine Handynummer geben.
Das große Problem ist einfach das es mir momentan fast unmöglich scheint Freundschaften zu Ghanaern aufzubauen. Man hat einfach sehr viele negative Erfahrungen. Jedes Gespräch kommt nach zwei Sätzen an die Stelle, wo man gebeten wird einen mit nach Deutschland zu nehmen oder einem Geld zu geben. Viele machen sich auch gar nicht die Mühe mit einem zu sprechen, sondern halten einen einfach fest und brüllen einen an, man solle ihnen etwas kaufen. Das ist so schade, denn dadurch hat man keine Lust sich viel Mühe zu geben, die Ghanaer kennen zu lernen, die nicht so sind. Auch ist es nicht leicht immer anders behandelt zu werden. Wenn ich irgendwo lang gehe, fangen alle an zu schreien „Obroni“ (Weißer). Sollte man nicht reagieren, wird es eher noch schlimmer. Oftmals werde ich auch ausgelacht. So kommen Kinder und auch Erwachsene an, um dem „Weißen“ beim waschen zu sehen, oder wie er etwas trägt. Das schlimme ist das ausgelacht und angefasst werden. Trotzdessen gebe ich mir Mühe Kontakte zu knüpfen. Mädchen müssen nur meist immer im Haushalt helfen oder arbeiten. Jungen wollen sofort einen als feste Freundin. Das ist dann auch die erste Satz beim kennen lernen nach dem „Hallo“.
Nach drei Monaten Ghana kann ich sagen, dass ich viele nette Kontakte zu Ghanaern habe und auch Gespräche, aber keine Freundschaften.
3. Reflektion
a) Beschreibe eine Beobachtung oder ein Erlebnis aus dem letzten Monat, welche/s für dich sehr überraschend oder ungewohnt war.
Ich hatte eine Woche lang einen Storker. Eines Nachts hat mein Handy geklingelt und ein Ghanaer war dran. Er hat mich gefragt wie ich heiße und wo her ich komme, ich habe ihm nicht geantwortet und nur gefragt, wer er sei und wo er meine Nummer her hat, darauf hat er wieder nicht geantwortet. Ich habe aufgelegt. Es kamen wieder anrufe und SMS. Ich musste mein Handy ausschalten, beim anschalten, hat es wieder geklingelt. Ich bin dann gar nicht mehr dran, sondern habe es meinem Gastvater gegeben. Der war dann sehr wütend am Telefon und hat sogar mit der Polizei gedroht. Diese Situation ging eine Woche, es waren bestimmt um die 50 Anrufe, und ich habe mich wirklich schlecht gefühlt, wenn mein Handy geklingelt hat. Ich wollte schon meine Nummer wechseln, aber dann hörte es zum Glück irgendwann auf. Der Typ hatte fast die gleiche Handynummer wie ich, nur die letzten Ziffern waren verschieden. Mir wurde dann auch von verschiedenen Ghanaern bestätigt, dass dies eine verbreitete Methode von jungen Männern sei, Frauen kennen zu lernen. Es wird so lange verschiedenen Nummern probiert, bis sich eine junge rau meldet. Die wird so lange genervt, bis sie darauf eingeht und so ist der Kontakt hergestellt. Solche Erlebnisse tragen auch nicht dazu bei gerne die Telefonnummer weiterzugeben und dies wollen Ghanaer immer, wenn man sich länger mit ihnen unterhält. Sie sind sogar beleidigt, wenn man sie ihnen nicht gibt und denken, man würde sie nicht mögen.
b) Gibt oder gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme?
Momentan gibt es keine Probleme. Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten in meine Gastfamilie. Allerdings muss ich jetzt nicht mehr mit zur Kirche, wenn ich nicht will und kann sagen, dass ich die Portion nicht mehr schaffe, ohne das meine Gastmutter denk ich hätte etwas gegen sie oder würde ihr Essen nicht mögen.
i) Was wurde bereits von dir und/oder dem Projektpartner versucht, um diese zu lösen? War dies erfolgreich?
Ich hatte dieses Problem mal angesprochen bei einem Treffen, kurze zeit später hat sich auch meine Gastmutter verändert. Allerdings wurde mir bei ARA gesagt, dass sie nicht mit ihr gesprochen haben. Dies hätte ich auch nicht gewollt, denn zu dem Zeitpunkt war es noch zu früh und ich wollte das Problem erstmal selber versuchen zu lösen.
ii) Welche weiteren Lösungswege könntest du dir vorstellen?
c) Was möchtest du in den nächsten Monaten erreichen (in der Arbeit oder Privat)? Welche langfristigen Ziele kannst du dir vorstellen?
Mit meiner Arbeit in der Schule bin ich so ganz glücklich. Allerdings würde ich gerne der Schule helfen, etwas mehr Geld zu haben, um richtige Klassenräume zu bauen und mehr Platz für die Mädchen im Hostel zu haben. Ich will ihnen aber auch nicht einfach Spenden zu kommen lassen, ohne irgendwelche Gegenleistungen. Daher habe ich von einigen Spenden aus Deutschland Stoff gekauft, der momentan zu Taschen und anderen Kleinarbeiten genäht wird. Mein Besuch nimmt diese Sachen mit nach Deutschland, um sie dort zu verkaufen. Das Geld, das ich davon bekomme geht dann wieder an die Schule. So haben die Mädchen sich ihr Geld mit etwas erarbeitet, was sie können und haben es nicht einfach so aus Europa geschickt bekommen. Mit diesem Projekt bin ich auch momentan sehr beschäftig, denn alles muss nachkontrolliert werden und mit Fotos dokumentiert sowie Berichte dazu nach Deutschland geschrieben werden.
Privat möchte ich in den Ferien mit meinem Besuch aus Deutschland das Land etwas kennen lernen und die „Seele mal baumeln lassen“. Außerdem hoffe ich doch noch Freundschaften mit Ghanaern schließen zu können.
4. Sonstiges
a) Was du sonst noch sagen/erzählen wolltest:
In dem Vorbereitungsseminar zu diesem Jahr hatten wir auch über den Kulturschock geredet, der sich nach 2 bis 3 Monaten vielleicht einstellen könnte. Mittlerweile glaube ich, dass ich diesen direkt nach meine Ankunft in meiner Gastfamilie und meiner Stadt hatte. Ich hatte viel Stress, wenn ich die Straße entlang gegangen bin, weil es so voll und laut war und niemand auf dich Rücksicht genommen hat. Mittlerweise kann ich damit gut umgehen und fühle mich deutlich wohler, als am Anfang. Über viel Dinge, die ich sehe, kann ich lachen und sprechen, ohne, dass es mich sehr stört. Auch mit dem extremen Glauben kann ich nun besser umgehen und nehme mir Hexenaustreibungen und Wunderheilungen nicht mehr so zu Herzen. Auch, dass beim Beten die Leute auf einmal anfangen zu schreien und weinen, weil sie vom Heiligen Geist berührt worden, verstört mich nicht mehr so. Insgesamt habe ich mich eingelebt und finde mich langsam in dieser neuen sehr fremden Welt zurecht.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen