So einen einmaligen Tag hatten die Schüler des Abschlussjahrgangs meiner Schule am 12. Dezember, dem Tag der Graduation. Um die 35 Schülerinnen und 2 Schüler haben mit ihren Verwandten und Freunden ihren Abschluss gefeiert und allen versucht zu zeigen, was sie in den vergangenen Jahren an der Schule gelernt haben. Doch bevor die eigentliche Feier war, gab es am Dienstag zuvor ein Picknick mit der ganzen Schule. Das ist ein Umzug mit Blaskapelle durch die Straßen der Stadt. Zu der Musik wurde natürlich getanzt und bei um die 45 Grad in der prallen Mittagssonne wurde mir auch ganz schnell sehr warm. Da man als Weiße in einer Gruppe aus ghanaischen Schülern nicht ganz unaufällig ist, konnte ich mein tänzerisches Talent zu afrikanischer Musik kaum verstecken. Die Bewunderung der Menschen am Straßenrand war mir sicher. 3 Stunden ging die Tour durch die „Innenstadt“ von Swedru. Danach konnte ich mein T-shirt und meine Hose auswringen, aber zum Glück ging es den Ghanaern nicht anders. Trotz all dem hat es großen Spaß gemacht und bleibt ein unvergessliches Erlebnis.
An Freitag sollte aufgebaut werden und ich als gutes Beispiel wollte gerne Helfen. Um 16.00 Uhr sollte es losgehen. Um 16.40 Uhr traf ich mit unglaublich schlechtem Gewissen an der gemieteten Halle ein, aber niemand war da. Also bin ich wieder nach Hause. Um 18.00 Uhr bin ich wieder hin und siehe da ein Mädchen war schon da. Eine weitere Gruppe traf um 18.30 Uhr ein. Gegen 20.00 Uhr kamen dann auch die, die Ahnung hatten, wie es aussehen sollte. Wie lange Aufgebaut wurde, weiß ich nicht, nur das am nächsten morgen eine halbe Stunde vor Beginn des Ganzen alles stand. Allerdings mussten alle dann noch wieder nach Hause, um sich umzuziehen und zurecht zu machen. Das die ganze Veranstaltung nur mit eineinhalb Stunden Verspätung begann liegt aber vor allem daran, dass die meisten für zwei Stunden eher eingeladen wurden. Die Ghanaer scheinen sich selber und ihr Verständnis von Zeit doch auch zu kennen.
Die Halle war sehr voll. Es durften nur die Verwandten und Freunde der Abschlussschüler kommen und doch haben die 1000 Stühle nicht ausgereicht. Die Schülerinnen der Schule mussten von draußen durch die Fenster rein gucken. Ich konnte mal wieder super in der Masse untergehen, da mein Sitzplatz ziemlich unaufällig auf dem Ehrenpodium war und ich mit Namen vorgestellt und begrüßt wurde.
Es wurde gebetet und einige Reden und Ansprachen gehalten (wobei wie immer nicht wirklich zu gehört wurde). Die Cateringschüler haben dann ihre Kuchen und Gerichte ausgestellt. Dann wurde wie immer Spenden gesammelt. Es wurden Kekse verkauft. Erst, wenn der Sack leer war, durfte der Schüler wieder gehen. Da die Preise ziemlich hoch waren hat es einige Zeit gedauert bis alle wieder gehen durften. Der Höhepunkt war aber die Modenschau. Alle Schülerinnen des Abschlußjahrgangs haben insgesamt 60 Outfits vorgeführt. Die Brautkleider fand ich am schönsten, mit der langsamen Musik dazu und den stolzen Blicken der Mädchen und Eltern war ich echt gerührt.
Die Stimmung hat gekocht, als die moderneren Kleider und die schnelle Musik kamen. Zwischendurch musste das ganze zweimal unterbrochen werden, weil die Brüder und männlichen Freunde so „abgegangen“ sind und mit ihren Fotokameras die Wege blockiert haben. Es war ein unglaubliches Erlebnis!!! Die Kleider waren super toll gemacht. Traditionelle Stoffe und Schnitte mit Modernem kombiniert.
Nachdem die Stimmung so auf dem Sidepunkt war, war die anschließende Zertifikatübergabe allerdings relativ nüchtern. Viel Eltern und Freunde waren nach dem ganzen Party machen vor die Tür gegangen und das ganze ging ziemlich schnell. Ohne Bühne, ohne Mikrofon, dafür aber wieder mit vielen Fotografen.
Die ganze Veranstaltung hat 6 Stunden gedauert und mich darin bestärkt, dass die Ghanaer doch am liebsten Party machen, laut sind und Spaß haben wollen. Was wir wirklich hatten.
Am nächsten morgen ist die ganze Schule gemeinsam in eine Kirche gegangen. Auch hier wurde hauptsächlich getanzt, Liegestützen zwischendurch gemacht (kein Scherz!!!), Spenden gesammelt und gepredigt. Ich habe hier eine interessante Art des Spendensammelns kennen gelernt. Insgesamt wurde 7 mal gesammelt. Mein Favorit ist der Geburtstagswettkampf. Die Wochentage werden aufgerufen und man geht an seinem Tag nach vorne. Welcher Tag am Ende mehr hat, hat gewonnen. Es wird direkt ausgezählt. Alle glauben bestimmt, ich wüsste nicht am welchem Tag ich Geburtstag hätte, denn ich bin für meinen Gastvater am Donnerstag gegangen und für mich am Freitag. Natürlich hat Freitag am Ende gewonnen :). Es wurde noch zu einer emotionalen Ballade gesammelt und natürlich das Nachvornetanzen. Weil jeder Tanzen möchte kommen auch alle und werfen etwas rein. Vielleicht sollte bei uns das Kollektesammeln überdacht werden. Was macht uns den Spaß??? Obwohl uns macht das Sitzenbleiben doch wahrscheinlich am meisten Spaß.
Das Highlight der ganzen Veranstaltung (irgendetwas sträubt sich in mir das Wort Gottesdienst zu benutzen) war aber das Heilen! Wer etwas hatte konnte nach vorne gehen und von der PredigerIN die Hand aufgelegt bekommen. Alle haben gebetet (also laut durcheinander in einer Quatschsprache geredet) und die Predigerin hat ihre Hand auf die Stirn der Leute gehalten. Sie hat sie angeschrien und durch die Gegend geschoben. Einige waren danach nur benommen, viele sind aber auch nach hinten umgefallen (keine Angst Leute standen immer dahinter um sie aufzufangen). Einer fing an zu schreien und hysterisch um sich zu schlagen. Er wurde von 4 Männern nach draußen geschleift.
Ich kam mir schon manchmal wie im falschen Film vor, aber im Fernsehen durfte ich diese Sachen ja schon ein paar mal sehen. Live ist das ganze aber noch verstörender. Vor allem der Satz :“ In Jesus Namen“ finde ich immer etwas komisch, alles aber wirklich alles, ist in Jesus Namen und vom Heiligen Geist.
In dieser Woche habe ich wieder einen tieferen Einblick in die ghanaische Mentalität und Kultur bekommen.
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