Freitag, 9. April 2010

Ostern in Ghana

Endlich finde ich etwas Zeit, euch von meinem diesjährigen Ostern hier in Ghana zu berichten. Momentan haben wir Exams, also Prüfungen zum Termende. Daher korrigiere ich jeden Nachmittag Arbeiten, nur um am nächsten Tag neue Arbeiten zu mit den Schülern zu schreiben.
Letztes Wochenende, dem Osterwochenende konnte ich aber mal so richtig entspannen. Mit zwei anderen Freiwilligen bin ich in den Westen an den Strand gefahren, denn der Westen hat die schönsten Strände Ghanas.
Am Karfreitag sind wir losgefahren und um zur Trotro Station zu kommen, musste ich an der katholischen Kirche vorbei. Die haben zu diesem Zeitpunkt gerade ihre Karfreitagsliturgie gehabt. Zuerst dachte ich, ich sehe nicht richtig, denn die ganze Gemeinde war vor der Kirche versammelt. Dort haben sie die Leidensgeschichte nach gespielt, aber richtig. Nicht so wie bei uns, indem die Geschichte mit verschiedenen Rollen gelesen wird, nein es gab richtige Schauspieler und diese hatten es wahrlich nicht ganz einfach. Die beiden, die die Verbrecher gespielt haben hingen schon am Kreuz in der prallen Sonne. Als ich kam wurde gerade um Jesus Gewand gewürfelt und ihm eine Dornenkrone aufgesetzt. Leider hatte ich keine Zeit zu warten und zu zuschauen, wie auch „Jesus“ ans Kreuz geschlagen wird, aber schon dieser kurze Eindruck des ganzen Schauspiels war beeindruckend. Was müssen die Schauspieler gelitten haben, denn in der Sonne um kurz vor zwölf waren es bestimmt über 40 Grad und dann noch am Kreuz. Zum Glück wurden aber keine Nägel in „Jesus“ Hände geschlagen. Das ganze war sehr interessant und auch fremd für mich.




Die Trotrofahrt zum Strand hat gute 4 Stunden gedauert und war sehr unbequem, weil es mehr als nur eng war und dazu noch sehr warm. Vor allem mussten wir auf die Abfahrt eineinhalb Stunden warten, weil die Trotros immer erst abfahren, wenn sie voll sind und das kann manchmal echt dauern. Zum Glück kann man durchs Fenster die ganze Zeit Getränke, kleine Essenssachen und alles andere mögliche kaufen und sich so die Zeit etwas vertreiben.
Unsere Unterkunft am Strand war sehr einfach, z.B. kein fließend Wasser, dafür war die Lage traumhaft. Unsere zwei Zimmer waren über einer Strandbar und somit haben wir von dem Balkon direkt aufs Meer geblickt. Das Haus selber stand auch direkt am Strand. Es waren schätzungsweise 30 Meter bis zur Wasserkante. Morgens nach dem Aufstehen um 8 Uhr waren wir schon im Atlantik schwimmen. Die Wellen waren teilweise echt stark, aber das hat viel Spaß gebracht. Den Tag über haben wir gelesen oder Spiele gespielt. Das alles natürlich die ganze Zeit im Schatten, gesonnt haben wir uns nie direkt. Die Sonne hier hat eine ganz andere Intensität, als in Europa und da wir ja alle schon relativ braun sind, wollten wir auf einen Sonnenbrand verzichten.
Am Sonntag haben wir drei uns dann todesmütig mit Surfbrettern in die Wellen gewagt. Die konnte man sich an diesem Strand ausleihen, auf eine Unterrichtsstunde haben wir aber verzichtet. Es ging uns hauptsächlich um den Spaß an der ganzen Sache.Und es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich persönlich mich eher als unbegabt für das ganze einschätzen würde. Nach zwei Stunden haben wir zum Teil aber auf den Brettern gekniet und kurz gestanden. Allerdings hatten wir alle blaue Knie danach. Ich hatte dazu noch einen Muskelkater in den Oberarmen und konnte meine Armen am nächsten Tag nur schwer heben.
Am Abend wurde am Strand noch ein Feuer direkt vor unserer Unterkunft gemacht und so hatte ich sogar ein Osterfeuer hier in Ghana. Am Montag morgen war ich dann Pfannkuchen mit Ananas und Schokolade frühstücken.
Busua, das ist der Name des Stranddorfes, in dem wir waren, hat eine interessante Mischung aus Tourismus und den einheimischen Lebenstil der Fischern. Man kann dort Pfannkuchen essen (was man sonst nicht in Ghana kann), es gibt Bars und Hotels und den Surfshop. Auf der anderen Seite sind die meisten Menschen dort immer noch Fischer und ziehen ihre Netze direkt neben dem sich sonnenden Touristen (Weißer und Ghanaer) aus dem Wasser. So haben wir mehrmals in diesen Tagen die Fischer beobachtet, die ihre Netze an Land zogen. Am letzten Morgen konnte ich von unserem Balkon beobachten, wie sie ganz schön große Fischer gefangen und an Land gezogen haben. Ich musste dann erkennen, dass es zum Teil keine Fische, sondern Delfine und zwei Haie waren. Diese wurden dann auch direkt am Strand zerteilt. Das ganze war nichts für zartbeseitete Europäer. Auch nichts für zartbeseitete Europäer war unser Erlebnis vom ersten Abend. Wir saßen am Strand und haben etwas getrunken, als viele Menschen an eine Stelle nur wenige Meter von uns entfernt geeilt sind. Ein Ghanaer aus dem Dorf ist anscheinend am Nachmittag ertrunken und seine Leiche wurde angespühlt. Das ganze war schon nicht schön und hat die Stimmung etwas gedrückt.
Insgesamt war es aber doch ein sehr schönes Wochenende an dem wir richtig entspannen konnten und viel Spaß hatten. Außerdem wer kann schon von sich behaupten am Osterwochenende im Atlantik surfen gewesen zu sein! Es ist komisch, dass es normal ist in kurzer Zeit für wenig Geld an Traumständen entspannen zu können. Aber das ist eine der vielen positiven Seiten am Leben hier in Ghana.

Blick vom Zimmer aufs Meer.

Fischer ziehen ihre Netze aus dem Wasser.

Unsere Unterkunft über der Strandbar in den Farben Ghanas.

Diese Insel lag direkt vor uns im Meer und hat nichts als zwei Palmen.
Im Vordergrund Fischerboote.

Mein Osterfeuer am Strand.

Ein großer Fang.

Drei Delfnie und zwei Haie

Anschließend wurden sie direkt am Strand zerlegt, ganz wären sie zu schwer zum Wegtragen.

Montag, 5. April 2010

Frohe Ostern!

Ich wünsche allen frohe und gesegnete Ostern!
Ich hoffe, es war nicht zu kalt und ihr konntet schon ein bisschen den Frühling fühlen. Hier war es nämlich wie immer sehr warm. Aufs Eier suchen habe ich dieses Jahr verzichtet, dafür aber viele andere wirklich interessante und schöne Dinge erlebt. Am Karfreitag bin ich zu einem Kurzurlaub an den Strand mit zwei anderen Freiwilligen. Ich habe keinen Sonnenbrand, dafür aber Blaueflecken und Muskelkater. Woher die kommen berichte ich bald und sende euch auch ein paar traumhafte Bilder, damit ihr richtig neidisch sein könnt.

Samstag, 27. März 2010

Viedomaterial

Am Freitag sollten alle Schülerinnen um 6 Uhr (morgens!!!) in der Schule sein, damit sie noch vor Unterrichtsbeginn das Video der Einführungsfeier sehen können. Ich hatte gesagt, dass mir dies zu früh ist und ich das Video dann lieber ein anders mal sehe. Ich schlafe halt gerne.
Als ich gegen halb neun dann in die Schule kam, waren die Mädchen am Wasser holen und so wurde das Video erst um halb zehn geguckt. Allerdings ging dann der Ton auf einmal nicht. Fast zwei Stunden hat ein Lehrer verschiedene Stecker umgestöpselt, den DVD Player ausgetausch, Lautsprecher von irgendwo besorgt und und und. Ganz ehrlich ich hatte nicht mehr geglaubt, dass das noch etwas wird, aber um viertel nach elf ging auf einmal der Ton und die ganze Schule hat drei Stunden lang das Video der Einführung (Immatikulation)gemeinsam geschaut. Das ganze hat nur mit etwas über 5 Stunden Verspätung angefangen, also noch im Rahjmen für Ghana.
Ich hatte so gehofft, dass ich nicht allzu doll beim Tanzen zu sehen bin. Ich hatte ja schon berichtet, dass der Typ mit der Videokamera mich verfolgt hatte und die Mädchen um mich herum immer weg geschickt hat. Ich musste nun feststellen, dass ich doch eindeutig zu erkennen bin. Zu meinem Glück ist das Beweismaterial nicht allzu belastend. Anders gesagt, es war nicht zu peinlich, auch wenn ich dieses Video mit ca. 150 Leuten zusammen gesehen habe. Da aber auch andere getanzt oder gesungen haben, war es eigentlich sehr witzig, sich das Video an zu schauen.

Die Schüler beim Videoschauen.

Lecker Kuchen!

Ich muss immer wieder feststellen, dass ich doch eindeutig in der richtigen Schule unterrichte. Nicht nur, dass mir Sachen für umsonst genäht werden (theoretisch, denn bis auf meine Tasche habe ich mir noch nicht so viel Klamotten schneidern lassen), auch kann ich immer mal wieder Kekse oder andere Gerichte probieren. Am letzten Freitag wurden sogar Waffeln gemacht, nach deutschem orginal Rezept aus einem Kochbuch, was ich meiner Schulleiterin gegeben hatte. Leider ging das Waffeleisen am Ende nicht und ich bin nach Hause gegangen ohne probieren zu können. Am Montag werde ich erfahren, ob es noch etwas geworden ist.
Der Abschlussjahrgang macht momentan sehr oft Kuchen. Das das nicht wegschmilzt wundert mich immer. Auf meine Nachfrage wurde mir erzählt, dass das am "iceing sugar" liegt, was das ist, weiß ich allerdings nicht. Aufjeden Fall sieht es super süß und echt lecker aus, vor allem, wenn man seit Monaten nicht ansatzweise soetwas wie Kuchen gegessen hat.

Der beste Klassenraum. Hier unterrichte ich Form 1. Der Raum ist so gut, weil es relativ kühl durch das richtige Dach ist. Unter Wellblechdacht ist es echt schrecklich. Vorne ist meine Tafel zu sehen, meine einzige Unterrichtshilfe.


Nüsse werden von den Schülerinnen an den Rand des Kuchen "geklebt".


Francisca zeigt den Mädchen wie man mit der Spritztube richtig umgeht.


Gifty dekoriert ihren Kuchen.


Zwei Mädchen stolz mit ihren fertigen Kuchen vor der Schule.

Ein richtiger Boden

Letzte Woche hat das Haus einen Boden bekommen. Die Erde, die vorher aufgeschüttet wurde, wurde gleichmäßig verteilt. Dann wurde eine Zementschicht aufgetragen. Zwei Bauarbeiter haben Zement gemischt und zum Haus mit einer Schubkarre gekarrt. Ein anderer hat den Zement mit einer Holzlatte geglättet. Und fertig ist der Boden. Die meisten ghanaischen Häuser haben keinen Boden wie in Deutschland, sondern die Menschen leben direkt auf dem Estrich. In meiner Familie ist es relativ gut, weil wir fast überall einen PVC Boden verlegt haben, aber das ist wirklich etwas besonderes.
Ich denke aber, dass auch in meiner Schule vielleicht noch soetwas wie Bodenplatten oder eine besondere Beschichtung über den Zement kommt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht allzu gut für den rohen Zementboden ist, wenn darauf etwas ausläuft oder viele Menschen leben.
Für das Mischen des Zements wird viel Wasser benötigt. Aber auch in der Schule fließt das Wasser nicht immer aus dem Hahn (so wie auch bei mir zu Hause) und so müssen die Mädchen ganz oft Wasser holen. Der nächste Brunnen ist ca. 10 Minuten entfernt. Aber wir haben auch einen Grundwasserbrunnen in der Schule, in dieser Jahrerzeit ist der nur fast immer leer und die Mädchen brauchen auch etwas Wasser zum duschen morgens.

Phidelia und Patience beim Wasser schöpfen aus dem Brunnen in unserer Schule. Da sie diese Arbeit von ihrem zu Hause gewöhnt sind, weil es auch dort meist kein fließend Wasser gibt, ist es keine Strafe für sie und es macht manchmal sogar Spaß (zumindest, wenn eine Kamera dabei ist).


Zement wird angekarrt,....


Zement wird verstrichen,....


... und schon ist der Boden fertig!

Mittwoch, 24. März 2010

Hilfe, wo kommen all diese Punkte her?!

Momentan ist es mal wieder schlimm, bisher bin ich zwar von einer Malaria verschont geblieben, meine Haut muss hier aber ganz schön leiden. Sonnenbrand ist es zum Glück nicht, aber dafür juckt meine Haut überall und ständig. Dazu kommt noch ein toller Ausschlag, der immer mal wieder kommt und zum Glück auch geht. Trotzdem sehe ich in den letzten Tag mal wieder super komisch aus, mit all den Punkten und Flecken, ein bisschen wie mit Windpocken (die es aber sicher nicht sind)! Ein Heilmittel konnte ich noch nicht finden.

Kriminalstatistik

Ich stellen immer wieder fest, dass in Swedru doch anscheinend relativ viele kriminelle Aktivitäten stattfinden. Um den Jahreswechsel herum war Swedru in den Schlagzeilen, wegen den Unruhen, über die ich auch berichtet habe. Auch wusste ich, dass Swedru eine Hochburg der Sakowas ist, über die ich natürlich auch schon geschrieben habe. Ein Bekannter, der Computer repariert hat mir neulich erst erzählt, dass 90 % der jungen Männer in Swedru in dieses Geschäft verwickelt sein sollen. Diese Zahl kann ich so nicht bestätigen, aber dass es unglaublich viele sind schon. Überall sieht man sie und hört von ihnen. Was für die Bewohner von Swedru noch viel schlimmer ist, ist aber eine Reihe von Überfällen. Fast jede Nacht werden Häuser ausgeraubt und Menschen bedroht. Auch meine Familie hat Bekannte, denen dies geschehen ist. Selbst die katholischen Priester wurden schon ausgeraubt. Vor wenigen Tage habe ich auch in den Nachrichten einen Bericht gehört, über eine Bande junger Männer, die Autos gestohlen und als Einzelteile wieder verkauft haben. Natürlich kamen diese Männer aus Swedru und haben die Autos hier gestohlen gehabt. Bei einer anderen Freiwilligen haben sie in der Nacht zwei Mutterziegen geklaut, die Zicklein waren erst einen Tag alt, als sie Waisen wurden. Zum Glück gab es noch andere Mutterziegen. Die Diebe sind jedoch zwei Nächte später wieder gekommen und haben auch noch die restlichen Ziegen geklaut. Von dem Diebstahl von 500 Meter Stromleitung in meinem Stadtteil in einer Nacht, hatte ich ja auch schon berichtet.
Der Grund, warum ich dies jetzt alles noch mal gesammelt schreibe, ist, dass auch meine Familie vor kurzem Opfer eines Diebstahls wurde. Mitten am Nachmittag bei Regen hat jemand die Schule vor unserer Haustür geklaut. Alle Schuhe bis auf meine Flip Flops sind weg gewesen. Ich bin froh, dass ich meine Schuhe immer rein nehme und diese Flip Flops waren wahrscheinlich schon zu alt und gebraucht. Mein Gastvater meinte, die Person wird sie säubern und auf dem Markt verkaufen. Das fällt gar nicht auf, weil viele Dinge hier Second Hand Produkte sind. Aber ich frage mich, warum man das bloß macht! Solange es aber nur die Schuhe sind, kann ich und meine Familie mit diesem Diebstahl gut leben.