Der Sonnenaufgang über dem Volta
Momentan haben wir Ferien und ich habe diese Ferien mit zwei anderen Freiwilligen genutzt, um nach Burkina Faso zu reisen. Fast zwei Wochen waren wir unterwegs und für uns war der Weg das Ziel. Gestartet sind wir in Akosombo. In Akosombo ist die Staumauer, die den Volta Fluss zu einem gigantischen See aufstaut. An der Staumauer wird Strom für einen Großteil Ghanas gewonnen.
Von Akosombo sind wir mit einem Fährschiff nach Yeji gefahren. Die Fahrt hat gut 31 Stunden gedauert. Da das Schiff nur einmal die Woche abfährt, wollten wir es auf keinen Fall verpassen und waren schon einige Stunden vor der Abfahrt da. Wir hatten vor der Abfahrt noch überlegt, ob wir uns eine Schilfmatte kaufen sollen, so wie im Reiseführer empfohlen, denn auf dem Fährschiff fahren zwar Passagiere mit, aber es hat keine Kabinen, Betten oder ähnlichen Komfort. Wir haben uns dann dagegen entschieden und an Bord festgestellt, dass es eine sehr harte Nacht nur auf dem Stahlboden werden wird. Aber unsere Ängste waren unbegründet, denn wir waren drei weiße Mädchen alleine in Not und an Bord waren auch ein paar junge Soldaten und andere ghanaische Männer. Nach einigen freundlichen Unterhaltungen hatten wir zwei Matratzen bekommen (die Männer hatten dann gar nichts) und eindeutig weicher geschlafen, als die anderen auf ihren Schilfmatten. Die Menschen haben überall an Bord verteilt geschlafen. Manche, wie wir oben neben der Brücke, andere in einer sehr vollen Gemeinschaftsunterkunft, oder wieder andere in den Holzkisten, die für den Transport von Jam auf der Rückfahrt gedacht waren.
Die Fahrt an Bord war sehr schön und man hat die sich langsam verändernde Landschaft vorbeiziehen sehen können. Vom doch sehr feuchtem und grünem Süden Ghanas zum trockenem und eher braunem Norden. Auch die Häuser wurden einfacher und so etwas wie Häfen gab es nicht. An einem Dorf wurde einfach an das Ufer gesteuert und die letzten paar Meter mussten die Menschen durch das Wasser warten um vom Schiff zum Ufer zu kommen oder umgekehrt. Gepäck und Fahrräder wurden wie immer auf dem Kopf übers Wasser getragen.
Auf der langen Fahrt konnte man auch die Ausmaße des Voltas erahnen. Man ist sich teilweise vorgekommen, wie auf einem Meer, denn man konnte nur schwer das Ufer in der Ferne erkennen.Außerdem ist man zwei Tage lang nur geradeaus gefahren und es ging immer noch weiter. Da der Volta vor ca. 40 Jahren aufgestaut wurde, mussten viele Dörfer umsiedeln und man erkennt immer noch die Überreste der Bäume, die einmal dort gestanden haben, wo jetzt Wasser ist.
Am späten Abend des nächsten Tages sind wir in Yeji angekommen und haben dort erst einmal übernachtet. Am nächsten morgen ging es mit einem „Speedboot“ über den Volta. Auf der anderen Seite des Ufers geht nur ein einziger Bus am Tag nach Tamale, der Hauptstadt der Northern Region und die Plätze sind begehrt, also wollte jeder so schnell wie möglich hinüber. Es fuhr noch eine Fähre, aber die braucht eineinhalb Stunden, dass Speedboot nur eine halbe. Unter dem Wort Speedboot hätte ich mir aber wirklich etwas anderes vorgestellt. Es handelte sich dabei um eine ca. 3 Meter breites und 15 Meter langes Holzboot, in dem Wasser einlief. In Deutschland wäre damit wohl keiner gefahren. Aber gut, es hatte einen Motor. Als wir das Boot gesehen haben, stellte sich aber das Problem wie reinkommen, denn es gab keinen Einstieg oder Leiter. Man musste die 1,5 Meter hohe Rehling aus eigener Kraft überwinden. Erschwert wurde es noch durch unsere Rucksäcke mit Gepäck für zwei Wochen, durch die der Schwerpunkt der Körpers doch etwas nach hinter verlagert wurde. Das Boot war dabei nicht etwa an Land vertaut, sondern im Wasser. Man stand also im Wasser hatte einen schweren Rucksack auf den Schultern, seine Schuhe in der Hand und eine 1,5 Meter hohe Wand vor sich. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft und die Ghanaer haben sogar Motorräder und andere schwere Güter eingeladen. Es gab keine Sitzplätze, dafür haben Händler Handyguthaben und Essen auf der Rehling balancierend verkauft. In dem Boot waren dann ca. 70 Leute und ich kam mir vor wie auf einem Flüchtlingsschiffen, die man im Fernsehen sieht. Wir hatten kaum Wellengang und waren nur eine halbe Stunde zusammen gepfärcht ohne Schatten oder Wasser. Ich kann mir nun wirklich gut vorstellten, was für unmenschliche Bedingungen auf den Flüchtlingsschiffen des Mittelmeers herrschen müssen, in denen die Menschen für mehrere Wochen sind. Auf der anderen Seite des Voltas wurde ich beim hinausspringen noch gewarnt, dass man etwas einsinkt, ich war dann aber doch sehr überrascht, als ich bis über die Knie im Schlamm steckte. Das meine kurze Jeans Hose daraufhin den ganzen Tag nass war, brauche ich, glaube ich, nicht zu erwähnen.
Obwohl wir vor der Fähre da waren und nach dem Aussteigen sofort Richtung Bus gerannt sind (gut die anderen, ich musste mich aus dem Schlamm befreien), haben wir keinen Platz mehr bekommen. Wir mussten daher mit einem Trotro nach Salanga und dort umsteigen. Aber auch die Plätze im Trotro waren begehrt und so war unser Gepäck auf dem Dach und wir saßen mit 5 Leuten auf einer Bank für drei Personen. Auch für die Beine gab es kaum Platz. In Deutschland wäre es ein Bus für 12 Leute, wir waren 23 Leute mit Gepäck! Es war tierisch heiß und die Strecke voller Schlaglöcher und durch das geöffnete Fenster kam vom Dach irgendeine fischige Flüssigkeit hinein getropft. Auch das nächste Trotro in Salanga war wieder einmal komplett überfüllt und man fragt sich bei diesen Zuständen öfters mal, wo denn eigentlich Amnesty International steckt. Es ist schwer diese Eindrücke gut zu beschreiben, aber es war eines der härtesten Sachen, die ich je in meinem Leben gemacht habe. Überraschenderweise haben wir am Abend dann aber doch noch lebend Tamale erreicht.
Von Tamale ging es am nächsten Morgen nach Bolgatanga und von dort nach Paga der Grenzstadt zu Burkina Faso. Die Landschaft im Norden ist ganz anders als im Süden. In der Savannenlandschaft stehen Lehmhütten mit Strohdächern oder für die Sahelzone typische Lehmbauten mit Flachdächern. Einige Häuser waren sogar bemalt. Die Menschen sind auf Fahrrädern, Motorrädern oder mit Esels karren unterwegs. In Südghana habe ich noch nie Esel gesehen, der Norden ist allerdings voll davon. Auch gibt es hier viele Rinder- und Ziegenherden, die entweder alleine umherziehen oder von einem Hirten mit Stock und Strohhut begleitet werden.
An der Grenze mussten wir uns auf der ghanaischen Seite aus stempeln und dann ein Visum an der burkinischen Grenze für 10.000 CFA (15 €) für eine Woche kaufen. Natürlich sind wir in den Duty Free Shop gegangen, der zwischen den beiden Grenzstationen lag. Das war schon echt unreal, weil man sich mitten in der afrikanischen Savanne befindet, die Leute Wasser aus Brunnen auf Esels karren in ihre Lehmhütten transportieren und wir dann vor einem Duty Free Shop (der fast nur Alkohol hatte) standen.
Die vierstündige Fahrt von der Grenze in die Hauptstadt Ouagadougo war auch ein Erlebnis für sich. Es waren natürlich einmal wieder viel zu viele Menschen in dem Kleinbus, aber auch andere Fahrgäste. So hatten wir im kaum vorhandenen Kofferraum einen Schafbock und drei Ziegen, auf dem Schoß eines Mannes zwei lebende Hühner und auf dem Dach bei unserem Gepäck eine weitere Ziege. Diese hat zwischendurch einige herzzerreißende Laute gemacht, sodass unsere Made (der der das Geld einsammelt), bei 90 km/h durchs Fenster aufs Dach gestiegen ist und dort über eine Stunde saß. Wir hatten uns auf der Fahrt mit Sonnencreme eingeschmiert (die Sonnenintensität ist schon sehr stark und wir wollten wenigstens versuchen nicht zu verbrennen). Ein älterer Mann hat dann seine Hand ausgestreckt und wollte etwas von der Sonnencreme abhaben. Er hat es zwar nicht gebraucht, aber wir haben ihm trotzdem etwas gegeben. Er hat sich damit aber nicht eingeschmiert, sondern es in den Mund genommen. Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen hat es ihm nicht geschmeckt und er hat es uns wieder zurück gegeben. Der Versuch ihm zu erklären, dass man sich damit einschmiert war vergeblich. Die Kommunikation in der Woche war auch eine Geschichte für sich, denn keiner von uns drei konnte Französisch und so haben wir gemalt und gestikuliert und am Ende einige Wörter Französisch gelernt.
Die Straße führte auch durch einen National Park und ich habe sowohl auf der Hinfahrt, als auch auf der Rückfahrt Elefanten nicht weit von der Straße entfernt gesehen.
Burkina ist viel ärmer als Ghana, das konnte man schnell erkennen. Die Menschen wohnen in Lehmhütten und haben einen Brunnen für das ganze Dorf.
Autos habe ich fast keine gesehen, nur Esels karren und Fahrräder und die paar Buschtaxis, die es gab, waren total überladen. Menschen sind auch auf der Ladefläche von Lkws, Dächern und Außen, an den Türen hängend, mitgefahren.
Außerhalb der Hauptstadt kann man auch nur schwer Dinge kaufen und wenn man es kann, sind sie sehr teuer. Wasser zum Beispiel kostet das dreifache wie in Ghana. Fast alles wird importiert. Da wundert es einen nicht, dass Burkina Faso das zweit ärmste Land der Welt ist und es sehr viele bettelnde Menschen gibt. Nur Mangos gab es momentan im Überfluss (es ist auch Mangozeit). 4 große Mangos haben umgerechnet 35 Cent gekostet und so haben wir in den Tagen unglaublich viel Mangos gegessen.
So wachsen Mangos
Nachdem wir einen Tag in der Hauptstadt verbracht haben, sind wir zu einer Freiwilligen nach Banfora gefahren, die ich vom Zwischenseminar kannte. Bafora liegt im Südwesten Burkinas und ist die feuchteste und viele sagen, die schönste Gegend Burkina Fasos. Drei Tage haben wir dort verbracht. Die Freiwillige wohnt bei Nonnen, die auch ein Guesthouse haben. Wir haben einen Ausflug zu Sandsteinfelsen gemacht, auf die wir auch geklettert sind. Das war unglaublich warm. In der Hauptstadt hatten wir ein Thermometer gesehen. 44 Grad Celsius!!! Kein Wunder, dass ich andauernd das Gefühl hatte zu vertrocknen und wir auch alle trotz Sonnencreme einen leichten Sonnenbrand hatten.
Wir sind dann, um uns abzukühlen, zu Wasserfällen gefahren, in denen wir auch gebadet haben. Die Landschaft war wie in einer Filmkulisse.
Essen waren wir bei Mc Donald. Ja, das gab es da. Allerdings ohne „s“ am Ende. Trotzdem konnten wir Pommes, Burger und Crêpe essen. Das war schon ein Traum. Es ist auch echt witzig, wie wichtig allen Freiwilligen das Essen geworden ist. Wenn man vom Heimkehren spricht, drehen sich die Gespräche zu 90 Prozent um das tolle Essen in der Heimat. Wenn man sich darüber unterhält, was man vermisst oder gerne hier hätte, kommt nach Freunden und Familie immer sofort das Essen. Das Essen hier in Ghana ist aber auch wirklich einseitig.
Am Abend waren wir noch auf einem See. Wir sind mit einem Kanu, aus dem erstmal das Wasser geschöpft werden musste, auf den See hinaus gefahren. Nach einiger Zeit dann konnten wir Nilpferde sehen. Zuerst nur eins, dann ist unser Führer aber zu einer anderen Stelle gepaddelt und dort war eine ganze Gruppe Nilpferde, die gefressen haben. Es waren mindestens 6 Stück. Genau kann ich das nicht sagen, weil immer welche untergetaucht waren und anderswo wieder hoch kamen. Außerdem war es schon etwas dämmerig, weshalb wir auch nicht sehr lange auf dem See bleiben konnten, weil es schon bald dunkel wurde. Die Geräusche der Nilpferde und die Tatsache, dass wir nur wenige Meter ohne Zaun oder Graben von einem der gefährlichsten Tiere der Welt entfernt waren, war aber schon echt beeindruckend.
Ich nehme viele toller Erlebnisse und Eindrücke mit, aber auch eine Erkältung, denn auf dem Rückweg sind wir mit einem klimatisierten Reisebus gefahren. Wir sind von Ouagadougo nach Accra in einem Stück durchgefahren und waren 24 Stunden auf dem Weg. Daher haben wir uns den Luxus eines eigenen Sitzplatzes und einer Klimaanlage bei über 40 Grad gegönnt. Wir hatten uns schon gefreut, eine Fahrt ohne Tiere zu haben, da hatten wir uns aber getäuscht, denn im Gepäckraum des Busses sind 6 Schafe mitgefahren. Obwohl sie nicht viel Platz hatten und in 24 Stunden weder getränkt, noch frische Luft bekommen haben, ging es ihnen wirklich gut, im Vergleich zu den Zeigen, die ich während der Fahrt gesehen habe. Aus einem Reisebus heraus hat man einen guten Blick auf die Dächer von den Kleinbussen. Auf einem waren ca. 20 Ziegen, die an den Hufen zusammengebunden und flach auf dem Dach bei 40 Grad in der prallen Sonne festgeschnürrt waren. Die Zeigen haben sogar noch gelebt, denn einige haben versucht ihr Hälse zu recken und man konnte die Panik und das Weiße in ihren Augen sehen. So etwas wie Tierschutz gibt es hier nicht und die Tier werden auch nur unwesentlich besser als die Menschen transportiert.
Die Rückfahrt war zwar lang, aber auch okay. Nur, dass man bei 20 Grad in der Klimaanlage echt gefroren hat und mein Pullover ganz tief in meinem Rucksack war und ich natürlich zu faul, ihn raus zu holen. Jetzt bin ich verschnieft und holen meinen Schlafmangel nach. Schlafen konnte man trotz des eigenen Sitzplatzes nicht, denn es liefen über einen Fernseher die ganze Zeit ghanaische Filme in unertragbarer Lautstärke.
In den zwei Wochen habe ich noch einmal eine ganz andere Seite Westafrikas kennen gelernt. Daher ist es gut, nicht nur im Land selber zu reisen, sondern auch in andere Länder. Ich habe das gesehen, was man sich vorstellt, wenn man an Afrika denkt. Savanne, Tiere, Nomaden, Lehmhütten und Armut. Aber das ist wirklich nur ein kleiner Teil Westafrikas.
Eindrücke aus Banfora, der grünsten und viele sagen schönsten Gegend Burkina Fasos
Zwei Tankstellen. In den Flaschen ist Benzin oder ein anderer Kraftstoff für die Motorräder.
Hi Maria,
AntwortenLöschen1. sind wir wieder froh, dass du gesund (ausser deiner schlimmen Erkältung) wieder zurück bist.
2. freuen wir uns über deine vielen Erlebnisse. Die Fotos und das was du schreibst bestätigen deine Ausagen vom gestrigen Telefonat.
3. Du hast recht: Burkina Faso ist schon sehr ärmlich. Wir leben im Überfluss und dort muss man viel Geld für Wasser bezahlen oder dieses aus einem Brunnen schöpfen. Wir brauchen da nur den Wasserhahn aufdrehen und denken oft nicht daran wie kostbar dieses Gut ist und lassen das Wasser einfach laufen. Vielleicht denkt man hier in der "heilen" und "reichen" Welt mal mehr darüber, wie Wasser und andere natürlichen Ressourcen so wichtig für uns auf der Erde sind.
Wenigstens hast du mit den Berichten aus den letzten 9 Monaten dafür gesorgt, dass ich darüber mehr nachdenke und versuche bewußter damit umzugehen.
Liebe Grüsse sendet dein Vater
Dein Vater