Am Wchenende hatte ich meine erste ghanaische Beerdigung. das ist hier immer eine ganz grosse Sache und eigentlich ist sowieso jedes Wochenende irgendwo Beerdigung.
Der verstorbene bei meiner Beerdigung war, glaube ich, der Cousin meines Gastvaters. Daher hat mein gastvater auch alles organisiert. Er ist stolze 86 Jahre geworden. Am samtag morgen war Churchservice, das Wort Messe moechte ich nicht dafuer verwenden. Das ganze dauerte ungefaehr 2 Stunden. Verstanden habe ich gar nichts, denn alles war auf Fanti. Das einzige was ich mitbekommen haben, neben dem Lesen aus der Bibel, war das andauernt Geld gesammelt wurde. Dafuer tanzt man nach vorne und schmeisst sein geld in eine Art grosse Vase. ich war sehr unauffaehllig zwischen den ganzen Ghanaern, nicht nur, dass ich weiss bin, nein das nach vorne tanzen war auch mehr ein Gehen. Mein Gastvater hat dann einen Text, zum Glueck auf englisch, ueber den Verstorbenen vorgelesen. Er fing dann an zu weinen, naja und mir liefen dann auch ein paar Traenchen, obwohl ich den verstorbenen ja gar nicht kannte.
Nach dem Servce ging es dann zum Friedhof. Friedhof ist hier eine Stelle wo mensche beerdigt werden, wo danach aber keiner mehr hingeht. Graeber besuchen macht man hier einfach nicht. So sieht der Friedhof dann auch aus. Total verwildert. Es war tierisch heiss und die sonne hat mir auf den Kopf geknallt. Als dann auch die 4 Witwen anfingen total hysterisch zu weinen, bin ich in den Schatten gegangen. Das war echt zu anstrengend.
Nach der Beerdigung wurde dann gegessen, die Frauen allerdings woanders als die Maenner. ich haben dann mit fremden zusammen im schatten gesessen und gewartet. eine gasteltern waren irgendwie verschwunden. hatten halt viel zu tun.
In dem Dorf waren an dem samstag 2 Beerdigungen. Der Mann bei meiner Beerdigung war auch schon 2 Monate tot. es ist nur alle 2 Monate Beerdigung in dem Dorf, weil sonst jedes Wochenende alle Verwandten von Ausserhalb anreisen muessten. Das Dorf nutzt Beerdigungen, um Spenden fuer die Gemeinde zusammeln.
Nach der Beerdigung bin ich mit meiner Gastmutter und meinem Gastbruder (der Ingenieur in Kumasi ist) zu einer weiteren beerdigung gefahren, in das heimatdorf meiner Gastmutter. Wir sassen alle in einem grossen kreis unter einem Baldachim auf dem dorfplatz. es waren so ungefaehr 200 oder 300 leute da. Die Frau da war schon laengst beerdigt, weil sie schon lange tot war, die Familie musste nur warten, bis sie das Geld zusammen hatten. Als wir ankamen, war schon gegessen worden und so waren wir nur bei dem teil, indem Spenden gesammelt werden. Durch ein Mikrofon wurde dann immer laut durchgesagt, wer wie viel gespendet hat. dann wurde getanzt und wieder ueber Spenden geredte. Man wird in dem Dorf begraben, indem man geboren wurde und nicht da wo man lebt. mein gastbruder wird auch dort begraben, obwohl er das letzte mal mit 11 jahren da war.
Am naechsten tag war ich dann wieder in dem Dorf von der ersten beerdigung. Es gab ein weiteren Service. Auch hier ging es eigetlich nur ums geldsammeln. Es gab ein paarmal das nach vorne ttanzen und dann das witztigste eine Art Auktion. Einer kommt nach Vorne und der Pastor sagt dann 10 Cedi und er muss solange vornestehen bis er das geld zusammen hat. dafuer gehen immer wieder andere nach Vorne und druecken ihm etwas Geld in die Hand. Wenn er das geld hat darf er oder sie sich setzten. Der pastor redet und will zum spenden ueberreden, dass schien ziemlich witztig zu sein, weil alle die ganze Zeit gelacht haben. Schon echt anders hier.
Anschliessend gab es noch einen traurigen Teil. Es wurde die Namen von den Gemeinedmitgliedern vorgelesen und die haben dann "Ja, anwesend" gesagt. Dann kam der Name des Verstorbenen. da hat natuerlich keiner ja gesagt. es wurde immer wieder gerufen und auf Antwort gewartet. Dann ist einer rumgegangen und hat ihn gesucht. dabvei war es total still und immer wieder wurde der name wiederholt. Die Frauen haben fuerchterlich geweint. Und auch ich fand es ziemlich bedrueckend. Die Stimmung hat immer so schnell gewechselt zwischen Freude und hysterischer Trauer.
Bei einer Beerdigung wird rot/schwarz getragen. Alles in allem sehr anders und neu, aber auch interessant.
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Na wenn das kein Zufall war.
AntwortenLöschenGestern ist in Deutschland auch etwas schlimmes passiert und es wird auf jedem Sender darüber berichtet. Robert Enke (Torhüter von Hannover 96) hat sich gestern um ca. 18.25 selbst getötet.
Er hat sich in der Nähe des Grabes seiner vor drei Jahren gestorbenen Tochter Lara (sie hatte von Geburt einen Herzfehler) auf einem Bahndamm von einem Regionalzug überfahren lassen.
Es war total schrecklich und alle Medien berichten ununterbrochen über dieses schlimme Ereignis.
Heute war eine Pressekonferenz von Hannover 96, wo seine Frau und sein Arzt von seinem Abschiedsbrief und seiner Krankheit berichteten. Er hatte seit 2003 schwere Depressionen und hat gestern wohl keinen Ausweg mehr gesehen, als sich selbst das Leben zu nehmen. Vor acht Monaten hatten Robert Enke und seine Frau ein zweimonatiges Baby adoptiert, Leila. Alles schien gut zu werden und er war ja auch auf dem besten Wege bei der WM 2010 in Südafrika die deutsche Nummer 1 im Tor zu werden. An diesem Samstag hätte es ein Testspiel Deutschland-Chile gegeben, aber der DFB hat es abgesagt. Kein Spieler wollte spielen. Ich denke, es ist die richtige Entscheidung gewesen.
Mich persönlich hat das ziemlich mitgenommen und dann schreibst du auch von Beerdigungen.
Ich dachte du solltest so etwas auch wissen...
Es gibt aber auch positives aus der letzten Zeit: Katharina darf bei der Einweihung ihres Reitvereins in der Quadrille mitreiten. Sie ist total stolz mit den großen Mädchen zusammen diese Ehre zu haben. Das heisst natürlich jeden Sonntag üben (von 11-18 Uhr) und Papa und Dagi stehen die ganze Zeit daneben und frieren sich den Hintern ab. Aber Katharina ist mächtig stolz und sie macht es auch richtig gut. Es wird 100% die schönste Quadrille, die ich gesehen habe.
Nun in diesem Sinne, halt die Ohren steif und denke an unsere 5 Grad, die wir inzwischen an der Ostsee haben.
Lieben Gruß aus der Marzipanhauptstadt ;-)