Dienstag, 29. September 2009

Anfangsbericht (September 2009)

Ghana ARA Frankeve Human Development Foundation

1. Projekt

a) Wie war deine Ankunft im Projekt? Wie hat dich der Projektpartner aufgenommen?
Am 1.September wurde ich vom Flughafen mit den anderen Freiwilligen von ijgd von Henry abgeholt. Kurze Zeit später stieß auch Kingsley zu uns. Wir sind dann alle zu einem Haus von ARA etwas außerhalb von Accra gebracht worden. Dort habe wir bis Sonntag eine Art Vorbereitungsseminar gehabt. Das fand ich sehr gut, der erste Crash mit der neuen Kultur konnte so etwas abgefangen werden. Besonders den gemeinsamen Besuch von Accra fand ich sehr hilfreich. Am Sonntag sind wir dann in unsere Gastfamilien gebracht wurden. Henry und Lawrence beide von ARA haben mich begleitet. Allerdings hatten sie nur sehr wenig Zeit, weil so viele Freiwillige an diesem Tag zu den Gastfamilien gebracht wurden, sodass ich mich etwas verlassen vorkam. Am Dienstag sind Henry und Lawrence dann nochmal vorbei gekommen, um ein gemeinsames Gespräch mit mir und der Gastfamilie zu führen. Leider war auch dieses nur 10 Minuten und es ging mehr um meine Pflichten als Freiwillige, als die der Gastfamilie. Was ich unschön fand, war dass wir vor unserer Familie gesagt bekommen haben, dass wir Toilettenpapier und Seife selber mitbringen sollen, das hätte man uns auch alleine sagen können.

b) Wie erging er dir in den ersten Tagen/Wochen im Projekt? Was war ungewohnt oder neu für dich?
In der ersten Woche war ich nur in der Gastfamilie, weil hier noch Schulferien waren, einerseits ist das ganz gut um sich einzuleben, ich habe aber etwas „Lagerkollaps“ gehabt, weil meine Gastfamilie mit mir auch nichts unternommen hat.
Der total andere Tagesrhythmus war auch etwas gewöhnungsbedürftig. Um 20.00 Uhr ist der Tag hier zu Ende, dafür beginnt er um 5 Uhr morgens.
Afrika an sich war auch noch mal ein totaler Schock. Alles ist laut, eng und unorganisiert, aber damit arrangiere ich mich von Tag zu Tag besser.
Was mich manchmal sehr stört, ist das jeder auf der Straße einen als Obruni bezeichnet und hinterher ruft. Auch das angebettelt werden von Kindern ist schwierig zu managen.

c)Wurden deine Erwartungen bisher erfüllt? Auf was warst du nicht vorbereitet?
Eigentlich geht’s mir gut und da ich mir eigentlich kaum konkrete Vorstellungen gemacht habe, bin ich von nichts enttäuscht. Nur auf die Arbeit an sich war ich nicht so gut vorberietet. Die Fächer und Themen die ich unterrichte, habe ich selber nie in der Schule gehabt, sodass ich mir abends das Wissen für den nächsten Tag anlesen muss. Da an meiner Schule auch nicht so viele Lehrer sind, unterrichte ich im Vergleich zu den anderen Freiwilligen relativ viel. Bisher stört mich das aber noch nicht, weil ich so immer beschäftigt bin. Ich hatte auch keine Möglichkeit anderen Lehrern beim unterrichten zu zuschauen, was ich aber jetzt versuche etwas nachzuholen. Viele Methoden wie Gruppenarbeit verstehen die Schüler auch gar nicht und fragen mich nach ihrem Sinn.

d) Wie verläuft die Betreuung im Projekt? Bist du zufrieden?
Heute hatten wir unser erstes Treffen, das wir jetzt jede 2 Wochen haben sollen. Da konnten wir dann unsere Probleme mit Lawrence besprechen. Auch Nina im ARA Büro ist immer zu erreichen, nur mein direkter Mentor Henry ist etwas schwer zu erreichen und was Zeit und Verlässlichkeit sehr ghanaisch. Zum Beispiel wollte er mich am Montag ist Projekt einführen und mich vorstellen. Vorbeigekommen ist er erst am Dienstag. Ich habe den ganzen Tag zu hause gewartet. Was mich daran stört ist, dass ich nicht angerufen wurde, um mir dies mitzuteilen.
Was mich sehr gewundert hat ist, dass meine Gastfamilie gar nichts über mich wusste, als ich ankam. Sie wussten nicht aus welchem Land ich komme und vor allem nicht wie lange ich bleibe. Ich hätte es auch begrüßt, besonders da ich die erste Freiwillige in meiner Gastfamilie bin, dass sie wie ARA uns gesagt hatte, ein Vorbereitungsseminar gehabt hätten. Das hätte viele Probleme an Anfang vielleicht verhindert.

2. Leben

a) Bist du mit der Unterkunft und der Verpflegung zufrieden?
Meine Unterkunft ist gut, besonders, wenn ich sie mit anderen vergleiche. Meine Gastmutter ist 67 und mein Gastvater wird 70. Er ist der Manager von mehreren Schulen und nebenbei haben sie noch einen Shop. Meine erwachsenen Gastgeschwister leben in England und Accra. Ich habe ein eigenes Zimmer. Ich hatte meine Gastmutter darum gebeten, die zwei Hausmädchen/Mitbewohnerinnen teilen sich jetzt ein Zimmer. Zuerst sollte ich mein mit der Älteren teilen. Wir haben, aber so verschieden Rhythmen, dass die Situation so jetzt besser ist. Die Wohnung ist relativ sauber (außer die Kakerlaken, die nach meiner Bitte jetzt aber bekämpft werden sollen), wir haben fließend Wasser bzw. einen Wassertank, falls es kein Wasser gibt. Vielleicht beteilige ich mich bald an der Stromrechnung, um 1 mal im Monat die Waschmaschiene zu benutzen, da ich bisher jedesmal blutige Finger hatte. Und fast nichts gewaschen bekommen habe. Aber ich will nochmal versuchen per Hand zu waschen auch, wenn meine Gastmutter das nicht will.
Die Verpflegung ist auch gut. An das ghanaische Essen muss man sich zwar sehr stark gewöhnen, aber ich Vergleich zu anderen geht es mir gut. Liegt vielleicht auch daran, dass meine Gastfamilie selber eher Reis mag und das ja auch für den eruopäischen Magen nicht zu ungewohnt. Am Anfang hatte ich nur das sehr große Problem, dass ich die Mengen einfach nicht essen konnte, die ich sollte und meine Gastmutter dann echt sauer auf mich war und mir nicht glauben wollte, dass ich ihr Essen trotzdem mag.

b) Wie ergeht es dir im Land und mit den Menschen? Wie läuft die Kommunikation? Hast du schon Kontakte geknüpft?
Der Kontakt mit der Familie wird immer besser auch zu den zwei Mädchen, die mit uns im Haus wohnen. Meisten bin ich mit den andern Freiwilligen unterwegs. Das liegt aber auch daran, dass mir heute gesagt wurde, dass der Kontakt zu den Schülerinnen nicht zu eng sein darf, weil sie Schüler und nicht Freunde seien. Meine Gastfamilie arbeitet bzw. ich keinen Kontakt zu Freunden von den Gastgeschwistern habe. Die Freunde meiner Gasteltern sind auch etwas alt bzw. das sind keine Leute mit denen man etwas unternimmt. Was natürlich am Alter liegt. Aber auch so ist der Kontakt zu Einheimischen sehr schwierig. Man wird hier ständig angebettelt oder die Leute wollen Kontakt nach Europa haben, um dort hinzukommen. Meine Gastfamilie versucht mich auch etwas zu missionieren. Viele Dinge sind glaube ich einfach anders. Zum Beispiel glaube ich nicht an Wunderheilungen und Hexenaustreibungen, dass muss ich mir aber im Fernsehen anschauen. Ein Vorbereitungskurs für die Gastfamilie hätte sie auch da vorberieten können.

3. Reflexion

a) Was möchtest du in den nächsten Monaten erreichen (in der Arbeit und privat)? Welche langfristigen Ziele könntest du dir vorstellen?
Ich möchte mich weiterhin einleben und vertrauter und sicherer im Umgang mit den Menschen und meiner Umwelt hier werden. Ich möchte noch mehr ein Teil der Familie werden und von meinen Gasteltern als erwachsener Mensch akzeptiert werden, der eigene Entscheidungen treffen kann.
In meiner Arbeit möchte ich strukturierter werden, denn das fehlt hier total. Es ist echt nicht gut, wenn es nach drei Wochen noch keinen Stundenplan gibt bzw. der nicht eingehalten wird. Ich hoffe, dass noch ein weiter Freiwilliger in mein Projekt kommt, damit die großen Klassen geteilt werden können und man die Schülerinnen besser betreuen kann. Mit 35 Zwanzigjährigen ist das etwas schwierig, vor allem, wenn für beide die Muttersprache nicht Englisch ist.

b) Gibt oder gab es irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme?
Ich wurde am Anfang echt überfüttert und hatte kaum eine Möglichkeit das zu stoppen ohne, dass meine Gastmutter sauer auf mich war. Das hat sich aber gebessert, nach dem ich in einigen Gesprächen ein paar Konfrontationen eingegangen bin. Auch das extreme Missionieren hat sich gebessert, weil ich jetzt meist unterwegs bin und den Mittwochs- und Sonntagsgottesdienst einfach über mich ergehen lasse und versuche es leicht zu nehmen und mich nicht persönlich angegriffen fühle, wenn etwas gelehrt wird, dass überhaupt nicht mit dem übereinstimmt was meine Meinung ist.
Reden hat viel geholfen und ich denke, dass ein Vorbereitungsseminar oder zumindest ein Nachmittag des Austausches zwischen den Gastfamilien viel geholfen hätte. Das habe ich auf dem heutigen Treffen aber auch angemerkt und hoffe, dass da jetzt von ARA etwas kommt.

c) Gibt es Situationen, die dir unangenehm sind? Wie gehst du damit um?
Religiöse Gespräche sind mir meist unangenehm. Zum Beispiel, wenn ich Durchfall habe und mir gesagt wird, dass wenn ich richtig bete, die Krankheit verschwindet, weil wir alle durch Jesuswunden geheilt wurden. Trotzdem hat mein Durchfall aber nicht aufgehört. Ich versuche, dass nicht persönlich zu nehmen und lächle und nicke. Dann sage ich, ich denke darüber nach. Gestern habe ich das erste mal eine andere Meinung weitervertreten. Vielleicht können wir Stück für Stück zu einem Austausch kommen. Ich glaube allerdings, dass sie gar nicht wirklich interessiert an einer anderen Meinung sind. Durch nicken mache ich sie glücklicher. Ich werde abwarten wie sich unser Verhältnis entwickelt.

4. Sonstiges

a) Die Kommunikation zum Büro im Vorfeld der Reise war gut. Hier in Ghana hatte ich noch keinen Kontakt zu dem Büro, außer einer E-Mail von mir, dass ich angekommen bin. Eine Antwort habe ich allerdings nicht erhalten. Dass ich eine Notfallnummer habe beruhigt mich aber.

b) Was du sonst noch sagen/erzählen wolltest: (persönliche Erlebnisse)
Obwohl wir noch nicht reisen sollten, bin ich schon ein Wochenende weg gewesen und das war auch sehr gut. Raus zu kommen aus der Familie, selber Entscheidungen treffen zu können und ein paar schöne Seiten des Landes zu sehen. Dann ahnt man etwas in der Familie zu erzählen und Motivation weitere Teile des Landes zu sehen.
Bisher stört es mich nicht, aber hier in Swedru sind sehr viele Freiwillige. Von ARA sind wir über 20 und dann ist hier noch eine andere Organisation, mit der viele Australier hier sind. Ich schätze wir sind über 30 Freiwillige hier. Gut ist, dass man sich seine weißen Freunde aussuchen kann und man immer mit Irgendjemanden etwas unternehmen kann. Ich glaube aber, dass in einigen Projekten zu viele Freiwillige sind. Zum Beispiel mehr als 3 Freiwillige in einem Waisenhaus. Oder einige unterrichten nur 3 Stunden die Woche. Für mein Projekt gilt, dass aber nicht. Ich würde mich über mehr Unterstützung eher freuen, da ich eine volle Lehrerstelle besetzte.

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